Die seit Monaten niedrigen Milchpreise setzen die Milchbauern so unter Druck, dass zunehmend die Liquidität einiger Milcherzeugerbetriebe gefährdet ist. Auf dem Deutschen Bauerntag in Erfurt hat das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes (DBV) deshalb Forderungen zur Verbesserung der Marktsituation sowie zur Unterstützung der Milchviehbetriebe vorgelegt.

Strukturen im Molkereisektor anpassen

Molkereien werden aufgefordert, ihren Absatz nach Ländern und Produkten stärker zu diversifizieren. Außerdem sollte zudem auf die Potenziale von Markenbildung und regionaler Erzeugung gesetzt werden. Dringend empfohlen wird, die Strukturen des Molkereisektors anzupassen, um die Verhandlungsposition gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel zu stärken. Darüber hinaus sollten Molkereien die Vorteile der Risikoabsicherung durch Warenterminbörsen nutzen und zusätzliche Möglichkeiten schaffen, den Erzeugern eine längerfristige Preisplanung zu ermöglichen.

Interventionspreisniveau überdenken

Der Lebensmitteleinzelhandel wird aufgefordert, seine Marktmacht nicht zu missbrauchen. Auch die Politik könne mit einer Reihe von direkten oder indirekten Maßnahmen unterstützen. Die von den europäischen Milchbauern gezahlte Superabgabe des letzten Milchquotenjahres in Höhe von rund 900 Mio. Euro müsse dem Milchsektor zugute kommen, so das DBV-Präsidium. Das europäische Sicherheitsnetz für Krisenzeiten, bestehend aus privater Lagerhaltung sowie öffentlicher Intervention, sollte genutzt werden, wobei nach Ansicht des DBV wegen der gestiegenen Produktionskosten das Überdenken des Interventionspreisniveaus angebracht sei. Außerdem fordert der DBV das Bereithalten eines Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramms für die Milchbauern und erneut die Einführung steuerlicher Instrumente für die einzelbetriebliche Risikovorsorge. (az)

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