Rückstandsdiskussion

DBV fürchtet Imageschaden für Öko-Produkte


Der Deutsche Bauernverband (DBV) lehnt den Kompromissvorschlag der lettischen Ratspräsidentschaft zur Revision der EU-Öko-Verordnung ab, der am kommenden Montag im EU-Agrarministerrat in Brüssel beraten wird. Dies betrifft insbesondere die Option zur Einführung von Sondergrenzwerten auf dem Niveau von Babynahrung. Der DBV hält den Ansatz der EU-Kommission, den Ökolandbau zukünftig über Rückstandsfreiheit zu definieren, für einen Irrweg. Der Ökolandbau definiere sich über den Produktionsprozess. Eine Abkehr vom Prozessprinzip hin zur Produktkontrolle stellt nach Ansicht des DBV die Idee des Ökolandbaus in Frage, denn ökologisches Kreislaufprinzip und Tierwohl lassen sich nicht über Rückstandsfreiheit, sondern nur über die Prozessregeln erzielen.

Teure Grenzwerte
Die Einführung von Sondergrenzwerten im Ökolandbau würde nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes einen durchschnittlichen Biobetrieb 3.200 bis 5.450 € jährlich kosten. Das entspricht nach DBV-Berechnung bis zu 10 Prozent des Gewinns. Hinzu kommen Analysekosten für Umweltkontaminanten von 1.600 bis 2.700 €. Den gut 23.000 deutschen Öko-Betrieben drohten allein dadurch direkte Bürokratie- und Implementierungskosten von bis zu 190 Mio. Euro jährlich, so der DBV.

Unvorhersehbare Vermarktungsrisiken

Der Ansatz der EU-Kommission diene auch nicht dem Gesundheitsschutz, denn bereits die gesetzlichen Grenzwerte seien wissenschaftlich ermittelt und garantierten gesundheitliche Unbedenklichkeit. Die von der Kommission geplanten Sondergrenzwerte nahe der Rückstandsfreiheit würden daher zu unvorhersehbaren Vermarktungsrisiken führen und schädigten das Image der Ökoprodukte, die aufgrund geringster Befunde ihre Öko-Zulassung verlieren könnten, befürchtet der DBV.

Bundesminister Christian Schmidt wird aufgefordert, die im Agrarrat als Kompromiss vorgelegten Optionen zur Einführung von Sondergrenzwerten konsequent abzulehnen. Darüber hinaus hätten sich die europäischen Dachverbände der Landwirtschaft COPA-COGECA, der Ökolandwirtschaft IFOAM und des Handels EFFAT gemeinsam gegen die Einführung von Sondergrenzwerten und für die Beibehaltung jährlicher Öko-Kontrollen ausgesprochen. (az)
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