Bioenergie darf beim Klimaschutz nicht vernachlässigt werden, so die Verbände.
-- , Fotos: Florian Gerlach/pixelio.de
Bioenergie darf beim Klimaschutz nicht vernachlässigt werden, so die Verbände.

"Der Entwurf für den Klimaschutzplan 2050 erfüllt nicht die selbst gesetzten Ziele", so der Vertreter des Deutschen Bauernverbandes  (DBV), Steffen Pingen, auf der heutigen Anhörung. Denn zu diesen gehöre auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft. Doch hierfür seien trotz einiger bereits vorgenommener Änderungen durch das Bundeskanzleramt noch immer nicht die richtigen Schwerpunkte gesetzt worden, so Pingen in seinem Beitrag. Der vorliegende Entwurf des Klimaschutzplans 20150 stelle nach seiner Aussage keinen ausgewogenen Beitrag Deutschlands für eine international kompatible Klimapolitik dar.

Nur fünf Minuten standen den Rednern für die Themenbereiche Gebäude, Industrie, Landwirtschaft/-Nutzung und Verkehr zur Verfügung. Jeweils zwei Beiträge von fünf Minuten wurde den Tagesordnungspunkten Energie sowie Übergreifende Ziele und Maßnahmen eingeräumt.

Es sei nicht "angemessen, der Landwirtschaft als einzigem Sektor für das Jahr 2050 ein starres Minderungsziel vorzuschreiben", brachte Pingen die Bedenken der Agrarwirtschaft zum Ausdruck. Er bezeichnete es als unverständlich, das das BMUB im Klimaschutzplan keine Perspektive für die Bioökonomie vorsehe. Tatsächlich können eine angestrebte Dekarbonisierung ohne die Bioökonomie nicht gelingen, betonte er.

Bioenergie wertschätzen

Auf die Bedeutung der Bioenergie für den Klimaschutz hatten heute bereits im Vorfeld der Anhörung der DBV und weitere Branchenverbände hingewiesen. Die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und Reststoffen können schon heute auf tausenden Bauernhöfen einen wichtigen Beitrag für eine verbesserte Klimabilanz der Landwirtschaft leiste. Die verstärkte Nutzung von Gülle aus Tierhaltungsbetrieben in Biogasanlagen biete noch „erhebliche Potenziale für eine zählbare Treibhausgasminderung“.

Nach Aussage des Geschäftsführers des Bundesverbandes Bioenergie (BBE), Bernd Geisen,  hätten die deutschen Treibhausgasemissionen 2015 ohne Bioenergie noch deutlich über dem von der Bundesregierung geschätzten Volumen von 908 Mio. t gelegen. Er plädiere daher für eine schnelle Abkehr von den fossilen Energieträgern. „Dafür brauchen wir die Bioenergie mit ihren Einsatzfeldern bei Strom, Wärme und Kraftstoffen“.

Auch der Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas (FvB), Dr. Claudius da Costa Gomez, warnte vor einer Vernachlässigung der Anbaubiomasse, wie es das BMUB in seinem Entwurf zum Klimaschutzplan nahelege. Verzichte man auf die Nutzung der heimischen Energie vom Acker und die dadurch erzielten Treibhausgaseinsparungen, würde dies einer verstärkten Nutzung von Öl und Kohle und damit einer weiteren Erhitzung des Planeten Vorschub leisten, warnte da Costa Gomez. Die gleiche Argumentation vertritt Dr. Rainer Schrägle vom Fachverband Holzenergie (FVH) für die Nutzung des Biomassepotenzials der deutschen Wälder.

Auch Umweltschützer üben Kritik am Entwurf

Medienberichten zufolge kritisieren auch die vier großen Umwelt- und Naturschutzorganisationen BUND, Greenpeace, NABU und WWF den vorliegenden Entwurf und bezeichnen ihn als nicht zustimmungsfähig und unglaubwürdig. Er stehe nicht in Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens. (mrs/jst)
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