Düngeverordnung

DBV und BÖLW ziehen an einem Strang


Der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) setzen sich für eine praxistaugliche Neufassung des Düngerechts ein. Es geht ihnen vor allem um die ganzjährige Ausbringung von Festmist und Kompost. Dies betonten sie auf einem Spitzengespräch der beiden Verbände auf dem Biohof Braun im oberbayrischen Freising. 

Der Beitrag von Festmist und Kompost zur Kreislaufwirtschaft, zum Grünlanderhalt sowie zu Gewässerschutz und Bodenfruchtbarkeit sei hoch. Mit Sperrfristen für die Ausbringung von Mist und Kompost im Herbst und Winter, wie sie im Entwurf der neuen Düngeverordnung vorgesehen sind, würden gerade die Betriebe gefährdet, die diese wasser- und bodenschützende Kreislaufwirtschaft praktizieren, heißt es von Seiten des DBV-Präsidenten Joachim Rukwied und des BÖLW-Vorsitzenden Felix Prinz zu Löwenstein. Generell dürften Betriebe mit geringen Nährstoffsalden, von denen keine negativen Umweltwirkungen ausgehen, nicht mit zusätzlichen Anforderungen belastet werden. Beide fordern mit Blick auf die neue Düngeverordnung, dass Festmist und Kompost zeitlich unbeschränkt ausgebracht werden dürfen und die Vorgaben für Lagerkapazitäten bei Festmist nicht ausgeweitet werden. 

Um die Böden zu schonen, werden Wirtschaftsdünger auf dem gefrorenen Boden ausgebracht. Bei sachgerechter Anwendung sei keine negative Auswirkung auf das Grundwasser bekannt, erklären DBV und BÖLV. 

Wissenschaftler rechnen mit fehlender Humusbildung


Unterstützung in den Forderungen erhalten die Verbände durch Wissenschaftler des Thünen-Instituts. Die Forscher erwarten mit der Umsetzung der neuen Düngeverodnung eine massive Einschränkung der eingesetzten Kompostmenge. Als problematisch wird die Anrechnung des Kompoststickstoffs im Nährstoffvergleich gesehen. Auch die Sperrfristen für die Ausbringung im Winter und das Streuverbot auf unbewachsenen, gefrorenen Böden trügen ebenso zu einer eingeschränkten Ausbringung bei wie die vorgesehenen Stickstoff-Ausbringungsobergrenzen für organische Düngemittel und die Beschränkung der Phosphatdüngung.

Betroffen seien zum einen Ackerbaubetriebe mit einem hohen Humusreproduktionsbedarf. Betriebe mit Kompostanwendung gingen künftig ein hohes Risiko ein, den Kontrollwert für Stickstoff pro Hektar zu überschreiten, so die Wissenschaftler. Aber auch Regionen mit hoher Viehbesatzdichte, beispielsweise in Norddeutschland, oder mit einer Biogasproduktion auf Basis von Energiepflanzen würden stark benachteiligt. Zu erwarten seien eine Erhöhung der überbetrieblichen Verbringung von Wirtschaftsdüngern und Gärrückständen. (kbo)



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