Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung äußert Bauernpräsident Joachim Rukwied die Befürchtung, der von der Bundesregierung beschlossene Mindestlohn von 8, 50 € werde die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Gemüsebauern verschlechtern: „Wir haben allergrößte Bedenken gegen die Einführung eines Mindestlohns. Der Anbau von Obst, Gemüse und Wein in Deutschland würde darunter erheblich leiden.“

Der Verband fürchtet, dass die Produktion aus Kostengründen ins Ausland abwandern könnte. Sein Argument: Beim Anbau mancher Obst- und Gemüsekulturen würden die Personalkosten 60 bis 80 Prozent betragen. Eine Lohnerhöhung von bis zu 25 Prozent würde sich dabei massiv auswirken.

Auch der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie e.V. (BOGK) schlägt Alarm und befürchtet in diesem Jahr könne es die letzte Gurkenernte in Deutschland geben. Durch die Einführung der Mindestlohns drohe eine „existenzbedrohende Kostensteigerung“ und gefährde rund 10.000 Arbeitsplätze der Stammbelegschaft, heißt es dort.

Der Mindestlohn tritt Anfang 2015 in Kraft. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte eine Verschiebung bis Januar 2017 für Saisonarbeiter erreicht. Dies halten die Verbände jedoch für nicht ausreichend und fordern Sonderregelungen für Saisonarbeiter. Ausnahmeregelungen werden allerdings von Politikern der Großen Koalition und des Arbeitsministerium abgelehnt. (hed)
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