DBV-Präsident Joachim Rukwied stellte in Brüssel klar, dass für die Agrarwirtschaft im Gegensatz zu vielen anderen Wirtschaftsbereichen eine vollständige Marktliberalisierung nicht in Frage komme. Sowohl die gesetzlichen als auch die von Verbrauchern gewünschten Standards für die landwirtschaftliche Erzeugung würden sich zwischen Amerika und Europa deutlich unterscheiden, sagte Rukwied in einem Gespräch in der Generaldirektion Handel der EU-Kommission.

Ein unregulierter Marktzugang würde zu massiven Marktverwerfungen zu Lasten der europäischen Landwirtschaft führen, warnte der DBV-Präsident. Er plädierte gegenüber den EU-Handelspolitikern dafür, dass Geflügel-, Rind- und Schweinefleisch, Getreide sowie Zucker und Ethanol als so genannte sensible Produkte vom Abbau der Zolltariflinien ausgenommen werden und einen besonderen Schutz behalten. Nicht geopfert werden dürfen nach Aussage Rukwieds die hohen europäischen Produktionsstandards. Die deutschen Bauern stünden zu diesen hohen Standards, bekräftigte Rukwied und forderte gegenüber den EU-Vertretern, dafür einen Mindestschutz zu gewährleisten. Andernfalls könne nicht mit der Akzeptanz der Landwirte gerechnet werden, mahnte der Präsident.

Angesichts des Stillstands der WTO-Verhandlungen führe kein Weg an bilateralen Handelsabkommen vorbei, Entscheidend sei, dass die Handelsströme auch zukünftig nicht an Europa vorbeilaufen. Gerade das Russlandembargo zeige eindrücklich und schmerzlich, wie wichtig es ist, sich breit aufzustellen und Zugang zu vielen Märkten zu ermöglichen, so Rukwied gegenüber den EU-Vertretern. (az)
stats