DLG Wintertagung

DLG-Strategie für mehr Vertrauen

Hubertus Paetow im Plenum der DLG Wintertagung: "Tabus sind schädlich!"
-- , Foto: DLG
Hubertus Paetow im Plenum der DLG Wintertagung: "Tabus sind schädlich!"

"Wer sich selbst kritisiert zeigt Selbstwusstsein“, so stimmt DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer die Besucher der Wintertagung in Hannover auf die neue Haus-Strategie „Landwirtschaft 2030“ ein. Selbstkritik sei die einzige Chance, die Zukunft aktiv zu gestalten. Denn das schaffe Vertrauen und das wiederum sei die Voraussetzung für die Legitimation von Landwirtschaft in Deutschland, so Bartmer vor voll besetztem Saal in der Messe in Hannover. Mit der Strategie „Landwirtschaft 2030“ legt die DLG ihre Finger in viele Wunden: Umweltschutz, Tierwohl und Subventionen.

Weiterdenken bringt weiter

„Tabus sind schädlich“, erklärt Hubertus Paetow, Landwirt und im DLG-Vorstand aktiv. Der Ackerbauer fordert die Landwirte zum Weiterdenken auf. „Das Produktionssystem hat einen Count-Down-Zustand erreicht“, erklärt er beispielsweise im Hinblick auf die zunehmenden Resistenzen im Ackerbau. Man müsse dabei gar nichts großartig Neues erfinden, sondern die „Koordinatensysteme bei unseren Entscheidungen erweitern“. Im Ackerbau kann das zum Beispiel die Ausweitung der Fruchtfolge bedeuten.


Stefan Teepker, Landwirt und Vorsitzender der jungen DLG, malt ein wenig rosiges Zukunftsbild, wenn er sagt: „Für mich ist es schon Honorierung genug, akzeptiert zu sein und in Deutschland weiter produzieren zu dürfen." Vom Tierwohl erwartet er keinen Mehrerlös. Teepker ermahnt die Landwirte, das Thema dennoch kommunikativ zu besetzen. Beim Thema nichtkurative Eingriffe hätte man schon verloren. Jetzt müsse dafür gesorgt werden, dass zumindest die Antibiotikaminimierung für den Landwirt praktikabel bleibe.

Praktikable Lösungen gesucht

Praktikabilität der Landwirtschaft 2030 war ein Stichwort, das auch das Publikum beschäftigte. Denn so mutig wie der Vorstoß der DLG auch sein mag – was nebenbei bemerkt auch Bioland-Präsident Jan Plagge anerkennend herausstelle – so viel Arbeit muss jetzt in die Konkretisierung gesteckt werden. Insbesondere beim Thema Honorierung sind noch viele Fragen offen: Mehr Subventionen nach dem Motto „öffentliches Geld für öffentliche Güter“? Adaption des niederländischen Tierwohlmodells „Beter Leven“, das der Handel kontrolliert? Aufgabe des Titels Exportweltmeister?

Auch die gewünschte Selbstkritik könnte zu einer größeren Baustelle für die DLG werden. Denn für viele Landwirte – vielleicht nicht unbedingt für diejenigen, die sich auf den Weg nach Hannover machten – stellt das Eingestehen von Fehlern eine „persönliche Herausforderung“ dar, wie es Hubertus Paetow formuliert. Der Vorschlag von Stefan Teepker, öffentlich zu machen, wer, wann welches Güllefass gefahren hat, um weniger Schwarze Schafe zu haben, sorgte zumindest für Heiterkeit. (kbo)
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