Am 1. Januar 2019 treten in Deutschland neue gesetzliche Regelungen zur Ferkelkastration in Kraft. Den Schweinehaltern bieten sich ab diesem Zeitpunkt drei Alternativen: die Jungebermast, die Immunokastration sowie die Kastration mit Betäubung und Schmerzausschaltung. Bei allen drei Verfahren sieht der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) ungelöste Probleme. So fehlt eine befriedigende Lösung für die Geruchsdetektion von Eberfleisch. Zudem habe sich herausgestellt, dass die Fleisch- und Fettkonsistenz immunokastrierter Tiere ähnliche Einschränkungen aufweist wie das von Jungebern.

Kastration wird deutlich teurer
Vorgesehen ist in Deutschland, dass Tierärzte bei der Kastration mitwirken. In Schweden und in der Schweiz dürfen Tierhalter oder deren Mitarbeiter nach einer Schulung die lokale Betäubung oder Isoflurannarkose ohne den Tierarzt anwenden. Der DRV fordert die Bundesregierung auf, für Deutschland eine ähnliche Regelung zu schaffen. Noch wichtiger sei jedoch ein europaweit abgestimmtes Vorgehen, um Wettbewerbsnachteile für die deutsche Branche zu vermindern.

Lebendimporte werden steigen

Der DRV befürchtet, dass die Ferkelimporte aus Dänemark und den Niederlanden weiter ansteigen und die deutsche Ferkelproduktion, die bereits jetzt nur noch einen Marktanteil von rund 70 Prozent aufweist, weiter geschwächt wird. Zudem würden Importe von ohne Betäubung kastrierten Schlachtschweinen oder deren Fleisch vor allem aus dem EU-Binnenmarkt ansteigen. Denn andere europäische Länder haben noch keine verbindlichen Verbote erlassen.

Preisabschläge für Jungeber

Der DRV rechnet damit, dass sich für Ferkel, aber auch für Schlachtschweine differenzierte Marktpreise entwickeln. Dies bedeutet auch eine Marktpreisdifferenzierung für die unterschiedlichen Qualitäten wie Jungeber und Immunokastraten. Bei letzteren dürfte es zu Preisabschlägen kommen. Nach Einschätzung des DRV ist von einem maximalen Marktpotential für Jungeber von 30 Prozent auszugehen. Immunokastraten könnten demnach mit einem Marktvolumen von 20 Prozent abgesetzt werden. Daraus folge, dass weiterhin ein Anteil von 50 Prozent der Ferkel kastriert werden müsse.

Eberfleisch schwer zu vermarkten

Probleme gibt es laut DRV bei der Vermarktung von Jungeberfleisch. Einzelne Unternehmen des Lebensmittelhandels, der Großteil der Fleischverarbeiter sowie die überwiegende Zahl der Metzgereien sehen derzeit keine bis sehr begrenzte Möglichkeiten, Fleisch von Jungebern zu verkaufen und zu verarbeiten. Dies betreffe auch die Exportmärkte. Selbst wenn sich mehr Schweinemastbetriebe zur Jungebermast bereit erklären würden, sei derzeit das Fleisch dieser Tiere nur sehr begrenzt vermarktbar. „Der Markt ist bereits jetzt gesättigt“ stellt der DRV fest. (SB)

Stellungnahme des DRV: 025-2016_DRV-Position-Ausstieg-aus-der-betäubungslosen-Ferkelkastration.pdf
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