Im ewigen Eis: Der Eingang des Saatgut-Bunkers.
-- , Foto: The Crop Trust
Im ewigen Eis: Der Eingang des Saatgut-Bunkers.

Man dachte an Katastrophen, als man den Tresor namens “Doomsday” (Das jüngste Gericht) auf der norwegischen Insel Svalbard 2008 ins ewige Eis hämmerte. 1.300 Kilometer entfernt vom Nordpol lagern die Samen der wichtigsten Nutzpflanzen der Zivilisation, von verschiedensten Genbanken der Welt angeliefert. Derzeit sind es über 864.000 Samen, die dort gebunkert werden, falls eine nationale Sammlung durch Naturkatstrophen, Krankheiten oder Kriege zerstört wird.

Kein Zugang zu Saatgut in Aleppo

Das Internationale Zentrum für landwirtschaftliche Forschung in Trockengebieten (Icarda) hat nun einen Teil seines eingelagerten Saatguts angefordert. Es ist das erste Mal, dass Samen aus Spitzbergen bestellt wird. Normalerweise hätte das internationale Agrarforschungsinstitut den benötigten Samen zur Vermehrung der eigenen Proben aus der Icarda-Gendatenbank im syrischen Aleppo angefordert. „Doch das ist derzeit nicht möglich“, sagte David Madden agrarzeitung.de. Er betreut für Crop Trust die Pressearbeit. Die internationale Non-Profit-Organisation kümmert sich um den eisigen Saatgut-Schatz gemeinsam mit der norwegischen Regierung und dem Nordic Genetic Resources Center. Viele Staaten, darunter auch Deutschland, Saatgutfirmen wie Dupont, Syngenta, die Vereinten Nationen, sowie Stiftungen wie die Rockefeller Foundation sind Partner und Geldgeber des Trusts.

Genbank in Aleppo funktioniert – noch

Die Genbank in Aleppo sei jedoch nicht zerstört, wie andere Medienberichte behaupten, sagte Madden. „Die Kältekammern, in denen die Samenproben lagern, funktionieren“, erläutert er. „Doch die Möglichkeit der Genbank, Proben an andere Banken zu liefern, ist eingeschränkt“. Die Forscher in Aleppo könnten die umgebenden Felder nicht nutzen, um den existierenden Bestand wieder aufzustocken.

„Genau für einen solchen Ernstfall wurde der globale Saatgut-Tresor eingerichtet“, sagte Brian Lainoff, Pressesprecher bei Crop Trust, zur Anfrage von Icarda. „Die Samen werden nun dazu genutzt, um die Sammlung von Icarda wieder aufzubauen“. Rund 65 Genbanken haben ihre Proben in Norwegen eingelagert. Sie bleiben Eigentümer des Saatguts und können sie jederzeit bei Bedarf anfordern.

Samen sollen nach Marokko und Beirut

Noch sind die Samen in Svalbard. Man habe gerade mit dem Auslagerungsprozess begonnen, erklärte Madden. Im Anschluss werde das Saatgut nach Beirut und Marokko transportiert. „Icarda wird aber weiterhin große Teile ihrer Sammlung im Saatgut-Tresor haben“, sagte Madden.

Im September 2012 verlagerte das Agrarforschungszentrum Icarda den Hauptsitz von Aleppo nach Beirut. Mahmoud Solh und sein Team hatten damals die pflanzengenetischen Ressourcen aus der Genbank in Aleppo gerettet. Von rund 13 Prozent der Sammlung lagen damals nur kleine Probemengen vor, die vervielfältigt werden mussten, schilderte Mahmoud Solh im Interview mit der agrarzeitung (az). Im Januar 2012 begannen die Forscher mit den Vorbereitungen, Teile der Genakzessionen außer Landes zu bringen. Ab März 2012 hatten die Forscher alle neuen Funde direkt nach Libanon, Tunesien oder Marokko umgeleitet.

Der Saatgut-Tresor hat auch für Landwirte eine große Rolle. Er ist die Garantie für den Zugang zu einer möglichst großen biologischen Vielfalt. (mas/brs)
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