Er war im Deutschen Bauernverband eine Ausnahmeerscheinung. Das beginnt schon beim Namen: Constantin Bonifatius Herman-Josef Antonius Maria Freiherr Heereman von Zuydtwyck, Herr auf Surenburg. Als er 1969 an die Spitze des Deutschen Bauernverbandes gewählt wurde, ließ er den Medien gegenüber alsbald mitteilen, dass es ausreicht, ihn Freiherr oder Baron Heereman zu nennen. Es galt zu vermeiden, dass die holländische Herkunftsbezeichnung seiner Familie ständig falsch geschrieben wird.

Constantin Freiherr von Heereman
-- , Foto: DJV
Constantin Freiherr von Heereman
Bei aller Taktik, Raffinesse, ja Bauernschläue blieb Heereman sich selbst treu. Er hat den Bauern klargemacht, dass technisch- biologischer Fortschritt und Strukturwandel zwei Seiten der gleichen Medaille sind.

Einer seiner Kernsätze dazu lautet: „Ich habe nie die Philosophie einiger Politiker vertreten, die da lautet : ‚Jeder kann Bauer bleiben, wenn er es will und wenn er das richtige Parteibuch hat‘“. Für Heereman war das zu kurz gedacht.

Dabei entsprach er selbst dem, was man einen gerissenen Politiker mit Ämterhäufung nennt. Nicht jeder im Bauernverband fand es gut, dass er für die CDU 1983 in den Bundestag zog und dort auch im vornehmen „Nadelstreifenausschuss“ des Auswärtigen saß. Hier fühlte sich der weltläufige Freiherr sichtlich wohler als im Agrarausschuss. Zeitweise war Baron Heereman noch nebenbei Mitglied in 15 Aufsichts- oder Beiräten von Unternehmen und Verwaltungsräten von Körperschaften.

Zur Person
Constantin Bonifatius Herman-Josef Antonius Maria Freiherr Heereman von Zuydtwyck wurde am 17. Dezember 1931 in Münster geboren.
Von 1983 bis 1990 war der Land- und Forstwirt aktives Mitglied des Bundestags (CDU). Von 1969 bis 1997 war er Präsident des Deutschen Bauernverbandes und von 1995 bis 2003 Präsident des Deutschen Jagdschutz-Verbandes. Verheiratet war Heereman seit 1956 mit Margarethe Freiin von Wrede-Melschede (1931–2007). Aus der Ehe stammen vier Töchter und ein Sohn. Am 26. Juli 2017 ist Heereman verstorben. (alö)
Kritikern hielt er entgegen: „Wer etwas bewegen will oder andererseits Schaden abwenden möchte, muss an entscheidender Stelle mitwirken.“ Dass er ein feines Gespür für Einnahmequellen verschiedenster Art hatte, soll nicht unerwähnt bleiben.

Seine unverwüstliche Gesundheit mache den Tanz auf vielen Hochzeiten zum Kinderspiel, antwortete der Baron auf die Frage, wie er das Pensum dieser Ämterfülle schaffe. In der Tat war er mit eiserner Disziplin und beneidenswerter Konstitution ausgestattet.

Heereman suchte nicht den Streit, er ging Auseinandersetzungen aber auch nicht aus dem Weg. Dies mag auch seinen schulischen Werdegang erklären. Er besucht das Aloisiuskolleg des Jesuitenordens in Bad Godesberg. Die Internatszeit hatte er als fürchterlich empfunden und beendete die Schule nach dreieinhalb Jahren mit dem Abschluss der Mittleren Reife. „Das langt auch“, meinte er einmal schmunzelnd.Der Edelmann aus dem Tecklenburger Land wahrte stets Distanz, ohne arrogant zu wirken. Dies erklärt die große Zustimmung der Bauern für ihren Präsidenten.

Wer die Ehre und das Vergnügen hatte, an den „intimen“ Kamingesprächen in seinem Schloss im westfälischen Riesenbeck teilzunehmen, wird die Aura des Hauses und seine ungezählten Anekdoten nicht vergessen.

Bei Tabakrauch, Bier und Korn legte Baron Heereman die Attitüde des „wichtigen“ Funktionärs zwar ab. Doch selbst im „Feuchtbiotop“ der Surenburg war er bedacht, Politik für „seine Bauern“ zu machen. Bei den lebhaften Diskussionen gaben ihm sein Charme, sein Witz und sein Humor häufig auch dann noch Recht, wenn er vielleicht einmal schon längst Unrecht hatte.

Und vielleicht wird auch deshalb Baron Heereman als eine der bekanntesten Persönlichkeiten des deutschen Bauernstandes in die Geschichte des Landes eingehen.

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