Ob konventionelle oder kleinbäuerliche Verbände, vom Deutschen Bauernverband (DBV) über den Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd (BWV) bis hin zur Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL): Die deutschen Bauern stehen hinter den Protesten ihrer französischen Kollegen. Die Forderung nach höheren Erzeugerpreisen sei legitim, auch die deutschen Landwirte litten unter den niedrigen Preisen, schreiben die Verbände. Man habe bereits Gleiches gefordert, sagte der stellvertretende Generalsekretär des DBV, Udo Hemmerling.

Doch „dass die deutsche Landwirtschaft für die schwierige Situation jenseits der Grenze verantwortlich gemacht wird“, das könne man nicht nachvollziehen, kritisiert der Bauern- und Winzerverband. Man sitze im gleichen Boot und müsse gemeinsam Lösungen finden, sagte der Präsident des BWV, Eberhard Hartelt. „Ungerechtfertigte Schuldzuweisungen sind fehl am Platz“. Auch der DBV weist Kritik der Franzosen an den Lohnkosten in Deutschland zurück, diese sei durch die Einführung des Mindestlohns nicht mehr gerechtfertigt.

Die AbL hingegen befindet die Forderung der französischen Landwirte nach „einem Ende wettbewerbsverzerrender Leiharbeits-Strukturen in deutschen Schlachtkonzernen“ völlig gerechtfertigt. Bauern in anderen Ländern seien keine Konkurrenten, sondern Kollegen.

Proteste zeigen Wirkung

Die französischen Erzeuger protestieren gegen die niedrigen Erzeugerpreise für Milch und Fleisch in Deutschland. Deutschland verzerre den Wettbwerb, Erntehelfern und Schlachthofarbeitern aus Osteuropa würden Dumpinglöhne gezahlt, lautet der Vorwurf der französischen Bauern. Die Demonstrationen richten sich deshalb gegen Lebensmittelimporte aus Deutschland, die Bauern errichteten Straßenbarrikaden an Grenzübergängen  und zündeten medienwirksam Reifen an. In der Ernährungsindustrie hierzulande sieht man sich zu Unrecht beschuldigt: Vertreter der Fleischwirtschaft etwa halten den Vorwurf der Preisdrückerei via Lohndumping mit Hinweis auf das Mindestlohngesetz für ungerechtfertigt.

Die Proteste zeigen Wirkung auf politischer Ebene: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat nun darauf hingewiesen, dass Agrarminister Schmidt und sein französischer Amtskollege  Stéphane Le Foll bereits Ende vergangener Woche zur Problematik telefoniert hätten. Das Ergebnis: Anfang September wird eine Sondersitzung des EU-Agrar-Ministerrates stattfinden. (mas)
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