Bewusssteinsstudie

Deutsche wollen Agrarwende


Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, haben am Mittwoch in Berlin eine Naturbewusstseinsstudie mit interessanten Ergebnissen vorgestellt.

"Die Deutschen wünschen sich eine Landwirtschaft, die naturverträglich ist und das Wohl der Tiere respektiert. Es gibt eine große gesellschaftliche Mehrheit für eine Agrarwende. Das bestärkt mich in meiner Forderung, das System der Agrarsubventionen vom Kopf auf die Füße zu stellen", kommentierte Hendricks die Studienergebnisse. Zahlungen an Landwirte solle es zukünftig nur bei einem gesellschaftlichen Mehrwert geben und nur bei konkreten Leistungen für die Natur.

Städter weniger naturverbunden

"Was die Bevölkerung zu Recht nicht akzeptiert, sind gentechnisch veränderte Pflanzen“, stellt die Umweltministerin fest. Den Einsatz von Genpflanzen lehnen die Deutschen klar ab, lautet das Fazit der Studie.

Die Natur spielt demnach für die Bevölkerung eine wichtige Rolle und hat für die Menschen eine hohe persönliche Bedeutung. Allerdings gibt es in der Sichtweise Unterschiede zwischen den Generationen und zwischen der Stadt- und Landbevölkerung. Großstädter messen der Natur eine geringere Wertschätzung bei als Menschen, die in kleineren Orten leben.

Schmidt: Landwirtschaft ist Teil der Lösung

Mit voller Rückendeckung für die Landwirtschaft meldete sich auch Bundesagrarminister Chrisitan Schmidt zu den Ergebnissen der Studie zu Wort: Kernaufgabe der Landwirtschaft bleibe die Ernährungssicherung einer wachsenden Weltbevölkerung. Besonders mittlere und kleinere Betriebe seien zudem für den Erhalt der Kulturlandschaft unverzichtbar. Die Landwirtschaft gehöre in die Mitte der Gesellschaft, so Schmidt. Gerade das Pariser Klimaschutzdokument gebe den Weg vor: "Die Landwirtschaft ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.“

Hofreiter: Abstimmung über Agrarpolitik 2017

Zur aktuellen BfR-Studie nahm auch der Grüne-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter Stellung. Er möchte das Jahr 2017 zu einer Abstimmung über eine Agrarpolitik machen, die sich nach den Interessen der Menschen richte und nicht nach der Agrarindustrie. Das Votum der Deutschen zur Agrarwende sieht Hofreiter als einen klaren Auftrag an die Bundesregierung, die Agrarwende endlich einzuleiten.

Biolandwirte sehen sich durch die Studienergebnisse bestätigt. „Bio zeigt, wie eine Landwirtschaft funktioniert, die die Menschen wollen. Artgerechte Tierhaltung, keine Gentechnik, keine chemisch-synthetischen Pestizide, strenge Kontrollen. Das starke Wachstum des Bio-Marktes in den vergangen Jahren beweist, dass die Menschen zugreifen, wenn Bio im Verkaufsregal liegt", so Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bio-Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). (da)
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