Glyphosat

Deutschland bleibt bei Enthaltung


Am heutigen Montag findet im für Pflanzenschutzwirkstoffe zuständigen EU-Ausschuss eine Abstimmung über eine zeitlich eng begrenzte Verlängerung der geltenden Wirkstoffgenehmigung von Glyphosat statt. Deutschland bleibt unentschieden. „Wir haben in der Bundesregierung noch keine gemeinsame Haltung dazu. Unter dieser Prämisse wird am Montag die deutsche Position eine Enthaltung sein müssen“, sagte Sprecher Steffen Seibert am Freitag bei der Regierungspressekonferenz in Berlin. Damit verringert sich die Hoffnung, dass mit einer klareren Position Deutschlands der Brüsseler Abstimmungsmarathon ein – vorläufiges – Ende findet.  EU-Verbraucherkommissar Vytenis Andriukaitis hat offen gelassen, ob er das Verfahren weiter vorantreibt, wenn keine qualifizierte Mehrheit zusammen kommen sollte.

Agrarwissenschaftler tragen Argumente zusammen

Unterdessen versuchen Wissenschaftler der Universitäten Göttingen und Rostock noch einmal mit Argumenten für und wider den Einsatz von Glyphosat, die Kompromissbereitschaft zu erhöhen. In einem undatierten Arbeitspapier, das im Internet als Download frei verfügbar ist, appellieren sie dafür, Managementmaßnahmen zu suchen, die das Glyphosat genehmigungs- und zulassungsfähig erhalten. Das Papier, das von Dr. Horst-Henning Steinmann vom Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung und Prof. Ludwig Theuvsen vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung, beide Universität Göttingen, sowie Prof. Bärbel Gerowitt vom Arbeitsgebiet Phytomedizin der Universität Rostock, ist nach einer Sitzung Ende Mai erstellt worden.

Landwirte sollten sich in den Dialog begeben

Die drei Autoren appellieren, dass sich die Akteure in der Landwirtschaft dem Gedanken einer Mengenreduktion für Glyphosat öffnen sollten. Sie glauben, dass eine Abschaffung der Sikkation am Leichtesten fallen dürfte. Bei Stoppelanwendungen gelte es, Anwendungen zu unterbinden, die lediglich der Arbeitsorganisation dienen. Vorsaatanwendungen, die einen großen Nutzen hinsichtlich der pfluglosen, erosionsmindernden Anbautechniken haben, sollten am ehesten erhalten bleiben. Hinsichtlich Kompensationsflächen für die Biodiversität schreiben die drei Wissenschaftler: „Die Akteure aus dem Bereich der Landwirtschaft sollten sich in einen Dialog begeben und dem Erfordernis nach Ausgleichsflächen weniger skeptisch entgegensehen.“ (db)
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