Mit der Entscheidung der EU-Kommission wäre nicht nur das Zulassungsverfahren möglicherweise nach Gentechnik-Recht für solche Pflanzen und Tiere verbunden, sondern auch eine Kennzeichnungspflicht über die gesamte Kette bis hin zum Verbraucher. Die Debatte um die neuen Züchtungstechniken verläuft vielschichtig. So geht es zum einen um die Sorge vor zunehmenden Patenten im Bereich der Nahrungsmittelerzeugung. Zum anderen geht es um gesundheitliche Risiken. Und schließlich erheben Öko-Verbände ihre Stimme, die Eingriffe ins Genom prinzipiell ablehnen und für ihre Produkte weiterhin garantieren wollen, dass keine Spuren solcher unerwünschter Pflanzen enthalten sind.

Die Gentechnik-kritische Organisation Testbiotech veröffentlicht am Mittwoch einen Überblick über Patentanmeldungen großer Konzerne in den Bereichen des Gen-Editing und der synthetischen Gentechnik an Nahrungsmittelpflanzen. Die meisten Patente auf solche Verfahren und die daraus resultierenden Pflanzen haben demnach Dupont und Dow Agrosciences angemeldet. Der Bericht gibt Beispiele für Pflanzen und Tiere, die mit diesen Methoden manipuliert wurden und zeigt dabei auch unerwartete Nebenwirkungen und Risiken auf.

Kritiker: Uns wird Gentechnik untergejubelt

Ebenfalls am heutigen Mittwoch führen die Grünen in Brüssel eine Debatte, die jeder per Internet live verfolgen kann.  Die Diskussionsrunde soll aufzeigen, welche Folgen die neuen Techniken der Pflanzenzüchtung auf die europäische Landwirtschaft haben können. Die Gentechnik-Kritiker vermuten dahinter in Wahrheit einen „hinterhältigen Versuch der Biotech-Branche, uns Gentechnik unterzujubeln“. Experten aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und den europäischen Behörden diskutieren ab 14.30 Uhr die Risiken für die Lebensmittelsicherheit, die Umwelt und die bäuerliche Landwirtschaft.

Die Veranstalter erhoffen sich von den Teilnehmern der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde oder aus der DG Sante der EU-Kommission Aussagen zum Stand der Entscheidung. (brs)
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