Prof. Cees Veermann beim DRV.
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Prof. Cees Veermann beim DRV.

Die bisherige Form der EU Agrarpolitik sei historisch begründet und sinnvoll gewesen, so Prof. Cees Veermann, auf der Jahrestagung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) in Berlin. Deutlich werde jedoch, dass die bisherige Politik Entwicklungen wie die Landflucht, geringe Einkommen in der Landwirtschaft sowie ökologische Probleme nicht aufhalten könne, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Agrarmärkte der EU-KommissionDie in den 1980er Jahren eingeleitete Phase der Globalisierung habe zu großem materiellem Wohlstand geführt, gleichzeitig jedoch auch viele Verlierer erzeugt. Die daraus resultierende Spaltung von Gesellschaften  führe zu politischen Reaktionen innerhalb der jeweiligen Nationen.

Erfolg unzureichend

Es habe sich gezeigt, dass der „Universalismus" kein tragfähiges Konzept für ein gedeihliches und friedliches Miteinander sein könne, sagte Veermann. Auch in der EU seien Spaltungen zu verzeichnen. Dies müsse auch Konsequenzen für die zukünftige Agrarpolitik der EU haben, mahnte er. Im Zeitraum 2014 bis 2020 seien insgesamt rund 317 Mrd. € für die Gemeinsame Agrarpolitik vorgesehen, etwa 45 Mrd. € jährlich. Jedoch hätten diese Zahlungen „zu keiner guten Einkommensverteilung  geführt" , so der EU-Vertreter. Nach Einschätzung der Kommission führe diese Art der Unterstützung dazu, dass notwendige Innovationen „auf Eis gelegt" würden.

Langfristige Neuausrichtung

Eine künftige Agrarpolitik müsse sich mehr auf das Risikomanagement an den Märkten, die Förderung der Biodiversität sowie eine Stärkung der Landwirtschaft gegenüber dem Lebensmittelhandel konzentrieren. Dabei gelte: Nicht der Bauer ist schuld, sondern die Nahrungsmittel sind zu billig. Die Kommission verfolge den Gedanken eines sich selbst erneuernden Agrarsektors, sagte Veermann. Notwendig sei beispielsweise eine Modernisierung der Organisationsformen in der Landwirtschaft. Anzustreben sei ein Mehr an Kooperation. Der Familienbetrieb sei zwar immer sehr stark in der Bewältigung der Aufgaben, jedoch stoße er zunehmend auf das Problem der Kapitalintensität der landwirtschaftlichen Produktion. All diese Entwicklungen bedürfen nach Aussage von Veermann sowohl der finanziellen, geleichzeitig jedoch auch der moralischen Unterstützung. „Die europäische Agrarpolitik ist an einer Kreuzung angelangt", nutzte Veerman ein Bild. Eine Umgestaltung der Agrarpolitik benötige jedoch einen langen Zeitraum. (jst)
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