Die europäischen Finanzminister arbeiten an der Richtlinie MiFID 2, die auch Vorgaben zum umstrittenen Handel mit Agrarrohstoff-Derivaten enthält. Der Zusammenhang zwischen solchen Geschäften und dem Hunger in der Welt ist nach wie vor umstritten. Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) wie Oxfam und Foodwatch sehen diese Verbindung, viele Wissenschaftler und Ökonomen bestreiten sie.

Die beiden NGOs haben den aktuellen Entwurf des geplanten Regelwerks unter die Lupe genommen und fanden zahlreiche Ausnahmeregeln mit Blick auf die Begrenzungen der Engagements auf den Agrarrohstoffmärkten einzelner Akteure über Positionslimits.

Zu diesen „Schlupflöchern“ zähle der Handel außerhalb von Börsenplätzen, der sogenannte Over-the-Counter-Handel. Dieser „Schattenhandel“ finde direkt zwischen zwei Marktpartnern statt. Dadurch würden in diesen Fällen Positionslimits nicht greifen.

Das zweite „Schlupfloch“ sehen die Kritiker in den Positionslimits für einzelne Händler. Damit soll verhindert werden, dass zu große spekulative Einzelpositionen die Preisentwicklung verzerren. Oxfam und Foodwatch fordern hingegen konzernübergreifende Positionslimits, damit beispielsweise Fonds die Begrenzungen nicht unterlaufen, in dem sie auf Geschäfte mit unterschiedlichen Partnern setzen.

Desweiteren kritisieren die Verbände, dass Rohstoffhändler, die sich gegen Preisschwankungen auf den Agrarmärkten absichern wollen, von den Regeln ausgenommen werden sollen. Auch hier sehen Oxfam und Foodwatch eine Gefahr, denn auch Agrarhändler wie Glencore und Cargill würden mit den Wetten auf die Preisabsicherung Gewinne machen, so der Vorwurf.

Mit diesen Ausnahmeregeln werde eine wirkungsvolle Eindämmung der Spekulation mit Nahrungsmitteln wirkungslos, behaupten die beiden Lobby-Verbände. (hed)
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