Die Weltleitmesse für Naturkost eröffnet heute in Nürnberg und genießt dabei große politische Aufmerksamkeit. Entsprechend ist hier Gelegenheit der Verbände, Forderungen an die Politik zu platzieren. Der Vorsitzende des Bundesverbands Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, appellierte an Bundesminister Schmidt, für eine stärkere Umschichtung von EU-Mitteln in die Agrarumweltprogramme zu sorgen. Nur so könne der Schwung des Marktes für die deutsche Landwirtschaft genutzt werden.

Es bestehe beim Bund und in den Ländern Einigkeit darüber, den Ökolandbau zügig auf 20 Prozent der Fläche auszudehnen, um den ländlichen Raum zu stärken und die Landwirtschaft umwelt- und tierverträglicher zu machen, erinnerte er. Wenn aber so viele Landwirte umstellen, wie es der Markt ermöglicht und das 20 Prozent-Ziel verlangt, geht den Ländern bald das Geld aus, so seine Warnung, an die sich der Vorschlag anschließt, dass Deutschland seinen nationalen Spielraum in der EU-Agrarpolitik jetzt nutzen soll und 15 Prozent der Mittel für die allgemeine Flächenzahlung zugunsten der Agrarumweltprogramme umwidmen. Bislang würden nur 4,5 Prozent umgeschichtet. Damit stehe aktuell sogar 9 Prozent weniger Geld für zukunftsfähige Landwirtschaft zur Verfügung als vor der letzten Agrarreform. „So kann die Bundesregierung“, warnte Löwenstein, „ihre Ziele der Nachhaltigkeits- und Biodiversitätsstrategie nicht erreichen.“

Im Übrigen legt die Branche glänzende Zahlen vor: BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig verkündet bei der Eröffnung der BIOFACH ein zweistelliges Umsatzwachstum des deutschen Bio-Marktes. Nach der Berechnung des „Arbeitskreises Biomarkt“1 wurde 2015 mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken ein Umsatzplus von 11,1 Prozent und ein Marktvolumen von insgesamt 8,62 Mrd. € (2014: 7,76 Mrd. €) erreicht.

„Die Nachfrage wuchs 2015 noch einmal stärker als schon in den Jahren zuvor. Und das Potenzial am Bio-Markt ist längst noch nicht ausgeschöpft“, so Röhrig. Alle Absatzwege trugen zum Marktwachstum bei. Am stärksten legte der Verkauf von Bio-Lebensmitteln und -Getränken im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zu und wuchs m 13,2 Prozent auf 4,76 Mrd. € Umsatz an. Der Naturkostfachhandel entwickelte sich im Vergleich zu den Vorjahren überdurchschnittlich und erzielte mit 2,71 Mrd. € ein starkes Umsatzplus von 10,0 Prozent. (brs)
 
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