Hilfsprogramm

Effekt schwer nachzuweisen


Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Prämie zur Produktionsbeschränkung schätzt das Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (IFE) als ausgesprochen attraktiv ein. Bei einem Bonus von 14 Cent je weniger gemolkenem Liter werden sich sehr viele Landwirte um eine Teilnahme bewerben, erwartet Prof. Holger D. Thiele. Es könnten deshalb deutlich mehr Milchviehhalter die Prämie beantragen, als Mittel zur Verfügung stehen, erklärt der Wissenschaftler im Gespräch mit agrarzeitung.de.

Viele offene Fragen

Die Details zu der Vergabe der EU-Hilfsgelder sind noch offen. So ist unklar, ob Vorgaben gemacht werden, in welchem Umfang die Betriebe die Produktion eischränken müssen, um gefördert zu werden. Ob und wie sich das Programm auf den Milchpreis auswirken wird, sei eine spannende und nur sehr schwer zu beantwortende Frage, so Thiele. Zu befürchten seien Mitnahmeeffekte durch Betriebe, die ihre Produktion ohnehin einstellen oder verringern wollen. Andere Betriebe könnten nach dem Ende des Programms ihre Produktion schnell wieder erhöhen. Fraglich sei auch, ob die Mitgliedstaaten eigene Programme zur Mengenreduzierung auflegen und die Milchmenge so weiter verringert wird.

Preissteigerungen um ein bis zwei Prozent

Das Programm wird bei einer Ausstattung von 150 Mio. € die Produktion in der EU um ein bis zwei Prozent verringern, vorausgesetzt andere Betriebe weiten ihre Produktion nicht aus. In einer früheren Studie für die grünen Agrarminister der Bundesländer hatte das IFE errechnet, dass eine zweiprozentige Reduzierung zu um zwei Prozent höheren Preisen führen würde. Diese Werte seien auf die heutige Situation durchaus übertragbar, glaubt Thiele.

Anzeichen für steigenden Milchpreis

Das IFE rechnet damit, dass der Milchpreis im Herbst auch ohne Hilfsprogramm ansteigen und zum Jahreswechsel auf rund 30 Cent je Kilogramm klettern könnte. Das jetzt beschlossene Programm könnte diese Entwicklung unterstützen. Welchen Anteil am Ende der Markt an steigenden Preisen hatte und wie groß der Einfluss des Hilfsprogramms war, wird im Anschluss nur sehr schwer zu ermitteln sein, fürchtet Thiele. Für die politische Debatte biete eine solche Situation einen breiten Interpretationsspielraum, so der Wissenschaftler. (SB)
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