Vor der Neuassaat setzen Landwirte Glyphosat zur Stoppelbearbeitung ein.
-- , Foto: Daphne Huber-Wagner
Vor der Neuassaat setzen Landwirte Glyphosat zur Stoppelbearbeitung ein.

Die EU-Mitgliedstaaten stimmen für den Vorschlag der EU-Kommission, die Zulassung des Pflanzenschutzmittels um ein halbes Jahr zu verlängern, damit die Wissenschaftler noch einmal gründlich mögliche Krebsrisiken untersuchen können.

Verlängerung kein Votum für oder gegen Glyphosat

Die Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) braucht die Fristverlängerung. Ohne Verlängerung wäre die Zulassung für Glyphosat am 31. Dezember ausgelaufen. Im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette in Brüssel stimmten die EU-Mitgliedstaaten der Übergangsregelung mit qualifizierter Mehrheit zu. Die EU-Kommission betonte, die Verlängerung sei kein Votum für oder gegen das Pflanzenschutzmittel. Sie führt allein das Prozedere als Grund an.

Streit bei WHO-Gremien

Die WHO versucht widersprüchliche Bewertungen von zwei seiner Gremien in Einklang zu bringen. Aktuelle Forschungsergebnisse sollen verwendet werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat das für die Efsa bereits getan.

Den Streit zwischen zwei Gremien der Weltgesundheitsorganisation WHO über Glyphosat hat eine eingesetzte Expert Taskforce versucht zu schlichten. Dabei herausgekommen ist der Auftrag an das Joint Meeting on Pesticides and Residues (JMPR), seine Bewertung von 2004 anhand von aktuelleren Studienergebnissen zu überprüfen. Dies teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit, das in der Taskforce mitgearbeitet hat.

Die Einschätzung der WHO Taskforce betrifft nicht die EU-Wirkstoffprüfung, betont das BfR. Das Bundesinstitut, das für die EU-Prüfung der Europäischen Lebensmittelbehörde Efsa einen Bericht vorgelegt hat, habe bereits aktuelle Erkenntnisse einfließen lassen. Das gelte sowohl für den überarbeiteten Bewertungsbericht aus dem Sommer dieses Jahres als auch für die Ergänzung, die im September erfolgt ist.

Zu widersprüchlichen Einschätzungen des Pflanzenschutzwirkstoffes Glyphosat war es zu Beginn dieses Jahres gekommen, als die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat als Kanzerogen Gruppe 2A, also wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen, eingestuft hat. Zuvor galt die Bewertung des WHO/FAO-Gremiums JMPR von 2004, dass nach damaligem Stand der Wissenschaft bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein gesundheitliches Risiko für den Menschen zu erwarten ist.

Die Arbeit der Taskforce ist jetzt abgeschlossen und eröffnet nunmehr die Möglichkeit zu einem wissenschaftlichen Divergenzverfahren innerhalb der WHO. Das gleiche Prozedere gilt auch für die Stoffe Diazinon und Malathion. (Mö/brs)
stats