Beim Thema Glyphosat, das sich in Pflanzenschutzmitteln wie Roundup findet, geraten erneut die Bewertungsbehörden unter Druck.
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Beim Thema Glyphosat, das sich in Pflanzenschutzmitteln wie Roundup findet, geraten erneut die Bewertungsbehörden unter Druck.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wehrt sich gegen den Vorwurf, Bewertungen von der Chemieindustrie diktiert bekommen zu haben. Das BfR betont in dieser Angelegenheit, Originalstudien der Antragsteller detailliert geprüft und bewertet zu haben. Unter anderem die britische Tageszeitung The Guardian hatte behauptet, die Bewertungen für das Pflanzenschutzmittel Glyphosat seien aus den Anträgen der entsprechenden Firmen, also unter anderem Monsanto, abgeschrieben.

Sichtung der Studien explizit vorgesehen

Korrekt sei, dass das BfR in seinem Bericht sowohl die gesetzlich vorgeschriebenen Studien der Antragsteller als auch alle weiteren relevanten Studien sorgfältig geprüft und bewertet habe, heißt es in einer Pressemitteilung des Instituts. Es weist darauf hin, dass von der EU explizit vorgesehen ist, dass Antragsteller Studienzusammenfassungen vorzulegen haben. Darüber hinaus macht das Institut darauf aufmerksam, dass aus Gründen der Transparenz die Bewertungen der Antragsteller deutlich erkennbar (in kursiver Schrift) kritisch kommentiert wurden.

Vergangene Wochen hatten die britische Tageszeitung "The Guardian", das österreichische Wochenmagazin News und zwei italienische Zeitungen berichtet, mehr als 100 Seiten aus dem 4.300 Seiten starken Efsa-Gutachen von 2015 seien wörtlich von Monsanto kopiert. Das BfR arbeitet der EFSA bei der Glyphosat-Bewertung zu. Greenpeace wirft der Efsa eine zu große Abhängigkeit von den Herstellern von Pflanzenschutzmitteln vor. Auch der Verein "Umweltinstitut München" hatte die Meldungen aufgegriffen und verbreitet.

Rückendeckung von der Kommission

„Ein weiterer Versuch, das Vertrauen in unsere Gutachten zu unterlaufen", rechtfertigte sich nach den jüngsten Angriffen die Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) in Parma. Dass Texte wortgleich aus den Anträgen der Hersteller übernommen würden, sei üblich, wenn es zum Beispiel um die Beschreibung von Versuchen ginge. Diese Vorgehensweise beeinflusse aber keineswegs die Unabhängigkeit bei der Risikobewertung, stellte die Efsa klar.


Auch die EU-Kommission stellt sich hinter die Efsa. Die Lebensmittelbehörde und die Europäische Chemikalienagentur (Echs) seien beide zu dem Ergebnis gekommen, dass von Glyphosat keine Risiken für die Gesundheit ausgingen, betonte die Sprecherin von EU-Verbraucherkommissar Vytenis Andriukaitis in Brüssel. Die jüngsten Vorwürfe stellten die Gutachten nicht in Frage. Die EU-Kommission will zum Jahresende hin die EU-Mitgliedstaaten über eine 10jährige Verlängerung von Glyphosat abstimmen lassen. (Mö/kbo)
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