Panorama-Beitrag

Ehrverletzung und Hausfriedensbruch

"Dass wir nicht mit Erkrankungen zu kämpfen haben, wäre utopisch." Tierarzt Dr. Jörg Tenhündfeld aus Vreden kommentiert alle aus Rörings Schweinestall gezeigten kritischen Bilder. 
Atemwegserkrankungen könnten zu einem Mastdarmvorfall führen, der wiederum andere Schweine aus der Gruppe zum Abbeißen verführe, erklärt Tenhündfeld. Dies sei ein Instinktverhalten des Schweines. Das führe im Einzelfall zu solchen Bildern. Umso weniger nachvollziehbar sei es, wieso das in einer anderen Filmsequenz gezeigte, mindestens 12 Stunden tote Schwein unversehrt sei. Die Schweine hätten genügend Zeit gehabt, Wunden herbeizuführen. Er legt den Verdacht nahe, dass das tote Tier für die Filmaufnahmen in die Schweinebox gelegt worden sei.


Bilder sind echt


In Berlin verbürgt sich die Organisation Animal Rights Watch (Ariwa) für die Echtheit der Bilder. "Wir könnten alle Tierhalter, die von uns ehrenamtlich kontrolliert werden, anzeigen", sagt Erasmus Müller einem WDR-Journalisten. "Wir sind aber kein Ersatz für ein nicht funktionierendes staatliches Verterinärsystem." 


 Der seit Jahren mit der Landwirtsfamilie Röring zusammenarbeitende Tierarzt betont hingegen, dass ihm keine tierschutzwidrigen Zustände bekannt sind. Diese am Freitag vor zahlreichen Pressevetretern auf dem Hof gemachte Stellungnahme des Tierarztes lag der Panorama-Redaktion bereits am Donnerstag als eidesstattliche Erklärung Stunden vor Ausstrahlung der Sendung vor. Hubertus Schmitte, Rechtsanwalt des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), dessen Präsident Röring ist, erklärt auf dem Hoftermin: "Es ist überraschend, dass der NDR so vorgeht. Der NDR hätte das prüfen müssen. Das ist Ehrverletzung und Hausfriedensbruch." Eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung der weiteren Verbreitung des Sendematerials ist beantragt. 



Weiteres Filmmaterial im Umlauf


Zusätzlich zum Panoramabericht tauchten über eine anonyme Internetseite illegal aufgenommene Bildsequenzen aus Ställen der ISN-Vorstände Heinrich Dierkes und Philipp Schulze Esking auf, meldet die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Die Bilder von Schulze Esking sollen aus dem Jahr 2015 stammen und von Dierkes aus 2014 und 2015. Philipp Schulze Esking und weitere Schweinehalter haben ebenfalls unverzüglich nach Bekanntwerden der Vorwürfe einem Filmteam Einblick in ihre Ställe gewährt. 


Die FAZ macht in ihrer heutigen Ausgabe darauf aufmerksam, dass bei Tierschutzorganisationen "oft viele Stunden Filmdreharbeit nötig seien, bis medientaugliche Bilder entstünden – in diesem Fall zwei Jahre." (kbo)





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