Tierschutzbericht

Eintagsküken und spitze Schnäbel

Der Tierschutzbericht bündelt Initiativen der Bundesregierung aus den Jahren 2011 bis 2014. Dazu zählen unter anderem Änderungen im Tierschutzgesetz wie das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 2019, das im Juli 2013 in Kraft getreten ist. Bundesagrarminister Schmidt weist anlässlich des Beschlusses auf Forschungsprojekte aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hin, die in dem Bericht Berücksichtigung finden.

Supermarktketten machen Druck

So sieht der Minister sich auf Kurs bei der Initiative „Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl“, die sein Haus im September 2014 ins Leben gerufen hat. Nach einem Jahr zieht Schmidt eine „positive Zwischenbilanz“. So sei mit der Geflügelwirtschaft ein Ende des Schnäbelkürzens ab August 2016 vereinbart worden. Hier macht allerdings auch der Lebensmitteleinzelhandel Druck: So will Aldi Süd ab Januar 2017 nur noch Eier unversehrter Legehennen annehmen und dies auch mit eigenen Kontrollen überprüfen.

Auch mit der Tötung männlicher Eintagsküken solle 2017 Schluss sein, betont Schmidt. Hier fördert das BMEL zum einen die Forschung an der Geschlechterbestimmung im Hühnerei, zum anderen unterstützt das Ressort die Forschung des Zweitnutzungshuhns in der Mast und Eierproduktion mit 1,8 Mio. €. Tierschützern geht das allerdings nicht weit genug: Sie fordern ein Verbot statt der von Schmidt präsentierten „technischen Lösungen“.

Europäische Strategie erforderlich

Da der Tierschutz in einem integrierten EU-Binnenmarkt und einem globalen Handel „nicht vor der eigenen Haustür“ endet, weist Schmidt auf die Notwendigkeit einer gemeinsamen Tierschutzstrategie in Europa hin. Mit seinen Ressortkollegen aus den Niederlanden, Dänemark und Schweden steht der Minister nach eigenen Angaben „im ständigen Austausch, um den Grundstein für eine gemeinsame europäische Tierwohl-Strategie zu legen“.

Zudem habe die EU-Kommission dem unter deutschem Vorsitz vorbereiteten Vorschlag für ein Forschungsnetzwerk „Nachhaltige Tierhaltung“ zugestimmt. Die Geschäftsstelle des Netzwerkes SuSan ist in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung eingerichtet worden. Ziel des Forschungsnetzwerkes sei es, eine nachhaltige landwirtschaftliche Tierhaltung in Europa weiter zu entwickeln und zu stärken. Allerdings befindet sich das Projekt noch im Aufbau.

Dass das BMEL sich für seine Tierschutzpolitik "feiert", findet der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, unterdessen "beschämend". Die richtigen und wichtigen Empfehlungen des Tierschutz-Gutachtens des Wissenschaftlichen Beirats Agrarpolitik fänden kaum Erwähnung,kritisiert er. Die freiwillige Vereinbarung mit Geflügelverbänden enthalte viele Schwachstellen und werde nicht dazu führen, das Leid von Hühnern und Puten in Deutschland zu verringern. (pio)
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