Milchmarkt

Erzeuger wollen Mengen steuern

„Denkanstöße des WLV zur Vermeidung von existenzbedrohenden Preiskrisen in der Milchwirtschaft“ – mit diesem Positionspapier mischt sich der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) in die Diskussion zur Gestaltung des Milchmarktes ein. Eine zentrale Forderung ist, dass in Zukunft nicht mehr allein die Milcherzeuger das Marktrisikon tragen sollen. Dazu müssten die Geschäftsbeziehungen zwischen Milcherzeugern, Molkerei und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) neu gestaltet werden.

Bei Marktschwankungen schnell reagieren

Preistiefs wollen die Autoren des Papiers vermeiden, indem Molkereien und Milcherzeuger nachfrageorientierter arbeiten und eine gemeinsame Mengenplanung und Mengenabstimmung vornehmen. Eine bessere Balance zwischen den Absatzchancen von Milchprodukten einerseits und dem Rohmilchangebot andererseits sei im Interesse beider Seiten. Bei abnehmender Nachfrage müsse das Signal von möglichen Marktkrisen stärker und früher bei den Milcherzeugern ankommen, wird in dem Papier gefordert.

Kürzere Kündigungsfristen durchsetzen

Moderne und marktgerechter sollen die Lieferbeziehungen zwischen Molkerei und Landwirten gestaltet werden. Für Genossenschaftsmitglieder wird eine Entkoppelung der Kündigungsfristen für die Lieferverpflichtung und den Austritt aus der Genossenschaft gefordert. Denkbar sei, in den Milchlieferverordnungen eine maximal einjährige Frist festzulegen und die Genossenschaftsanteile erst nach fünf Jahren auszuzahlen. So blieben diese Gelder für eine bestimmte Zeit sicheres Eigenkapital der Genossenschaft.

Milchpreis flexibler gestalten

Mehr Flexibilität wird auch bei der Milchpreisgestaltung gefordert. Das genossenschaftliche „Rückvergütungsmodell" müsse modernisiert werden. Die Erzeugerpreise könnten gestaffelt werden und sich dabei an den molkereiinternen Verwertungsmöglichkeiten und dem dazugehörigen Preisrisiko orientieren. Weitere Möglichkeiten seien eine Festpreisfestlegung über einen längeren Zeitraum oder Termingeschäfte. Hier sehen die Autoren insbesondere die Molkereien in der Pflicht, entsprechende Möglichkeiten und Angebote zu entwickeln.

Nachhaltigkeitsprogramme besser abstimmen

Die sechs großen Genossenschaftsmolkereien, die sich zur Interessensgemeinschaft Milch zusammengeschlossen haben, sollten stärker zusammenarbeiten. Sinnvoll sei beispielsweise eine verstärkte Abstimmung über die verschiedenen Nachhaltigkeitsprogramme, denn ein Wettbewerb in diesem Bereich gehe zu Lasten der Milcherzeuger. Die Plattform biete darüber hinaus die Möglichkeit für intensive Gespräche über Anpassungen der Lieferbeziehungen sowie der Einführung von Absicherungsmodellen an Warenterminbörsen und back-to-back Kontrakte zur Absicherung im Krisenfall. Die Mobilisierung von EU-Mitteln zur Absatzförderung müsse in diesem Rahmen ebenfalls angepackt werden.

Politik soll sich heraushalten

Klare Forderungen richten die Autoren an die Politik. Beim Thema Mengensteuerung setzen sie auf die Eigenverantwortung aller Beteiligten. „Politisch definierte Einheitslösungen“ werden klar abgelehnt. Zudem sollten die Erzeuger nicht durch Gesetzesänderungen belastet werden. „Ständig neue Auflagen und höhere Standards erhöhen die Kosten für die Milcherzeuger, ohne dass diese Kosten an der Ladentheke wieder eingespielt werden“, heißt es in dem Papier. Die Erzeuger befürchten, dass die Kosten durch Änderungen im Düngerecht, bei der TA-Luft oder im Baurecht zu ihren Lasten gehen und den Strukturwandel anheizen. Vom LEH wird ein Ende des Wettlaufs um immer höhere Standards bei der Milcherzeugung ohne Preisausgleich gefordert.

Das Diskussionspapier soll in den kommenden Wochen in den Gremien des WLV weiter beraten werden. (SB)
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