Zukunftsdialog Agrar & Ernährung

Experten fordern mehr Objektivität

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (r.) mit den Gastgebern des Zukunftsdialogs Andreas Sentker, Die Zeit, und Dr. Angela Werner, agrarzeitung
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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (r.) mit den Gastgebern des Zukunftsdialogs Andreas Sentker, Die Zeit, und Dr. Angela Werner, agrarzeitung

Besonders wenn es um Tierhaltung geht, hagelt es in der öffentlichen Diskussion oft Kritik. Auslöser sind anhaltend große Informationsdefizite über Verfahren der landwirtschaftlichen Produktion, so eine Studie des Thünen-Instituts. Erste Ergebnisse aus dem umfangreichen Projekt "SocialLab" präsentierte Dr. Inken Christoph-Schulz bereits am Vorabend des diesjährigen "Zukunftsdialogs Agrar & Ernährung 2017" in Berlin, der sich den postfaktischen Zeiten widmete. Auf der Seite der Verbraucher gebe es erhebliches Unwissen bei gleichzeitig festgefügten Ansichten, so ein Ergebnis. 

Besser ist nicht immer gut

Dass es nicht immer um Objektivität gehe, bestätigte auch die Ernährungsexpertin Prof. Dr. Hannelore Daniel in der heutigen Diskussionsrunde in der Berliner Kalkscheune über die Rolle der Ernährung in der Wohlstandsgesellschaft. Die große Frage vor mehr als 400 Teilnehmern: Wie ökologisch geht konventionell? Daniel leitet den Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie an der TU München und weiß: Menschen glaubten etwas „besser“ zu machen, was objektiv betrachtet nicht „besser“ ist. – Biolebensmittel kaufen zum Beipiel. „Das will ich den Menschen auch gar nicht ausreden. Es ist nicht schlecht, Bio zu kaufen. Nur gesünder sind Bio-Lebensmittel halt nicht“, so die Expertin.

Mehr Objektivität könnte auch die Diskussion um den Verzehr von Weizenmehl erfahren. Weizen hat es heutzutage schwer. Bücher wie „Weizenwampe“ tragen ihren Teil dazu bei, so Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutscher Bauernverbandes (DBV). Gleichzeitig ist die Pflanze selbst bedroht. Denn die Möglichkeiten im Pflanzenschutz gehen zur Neige. Ein „Weiter so“ kann es nicht geben, fordert Stephanie Franck, Vorstandsvorsitzende beim Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP). Aber auch den Traum von Weizenzüchtern, mit CRISPR/Cas alle Probleme zu lösen, relativiert die Pflanzenzuchtexpertin Franck: „Die Vorstellung, dass einfache Gentechnik – am besten der Austausch eines einzigen Genes – die Lösung für Resistenzen sei, zeugt von Unkenntnis in Zuchtfragen.

Bauernregeln sind "richtig"

Einen nicht ganz leichten Stand in der Kalkscheune hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie musste sich vor einigen aufgebrachten Besuchern für ihre jüngste landwirtschaftliche Kampagne rechtfertigen. Die Ministerin bleibt dabei ihrer eingeschlagenen Linie treu: "Die Bauernweisheiten haben für viel Aufregung gesorgt, ich habe die Auswirkungen unterschätzt." Falsch seien die Aussagen jedoch nicht, erklärt Hendricks zum Ende der Veranstaltung. (az)
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