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Exportoffensive bleibt umstritten


Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (rechts) und der Leiter Stabsstelle Export Dr. Gerhard Rech nahmen beim Exportgipfel die Forderungen der Agrarwirtschaft entgegen.
-- , Foto: BMEL
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (rechts) und der Leiter Stabsstelle Export Dr. Gerhard Rech nahmen beim Exportgipfel die Forderungen der Agrarwirtschaft entgegen.

Die Agrarwirtschaft sieht in den Exportgipfel von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) positiv. So begrüßte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), den von Schmidt initiierten Dialog zum Ausbau des Exports. Auch die German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) steht hinter der Initiative. Gemeinsam müsse es gelingen, diesen Austausch in eine selbstverständliche Routine zwischen Wirtschaft und Behörden auf Bundes- und Landesebene zu überführen, fordern die Verbände.

Risikoanalysen notwendig

Im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten bestehe derzeit ein Ungleichgewicht im Wettbewerb um Absatzmärkte in Drittländern, kritisierte Nüssel bei dem Treffen in Berlin. Neben der engeren Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Wirtschaft erwartet Nüssel bundeseinheitliche Auslegungen der jeweils maßgeblichen Einfuhrbestimmungen in Drittländern. Er schlägt eine wirtschaftsgetragene Gesellschaft zur Erstellung der für den Export notwendigen Risikoanalysen gemeinsam mit dem Julius Kühn-Institut vor. Der DRV-Präsident fordert den Bundesminister auf, gemeinsam die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu sichern und voranzutreiben. Die Exportprobleme bei tierischen und pflanzlichen Produkten müssten zügig gelöst werden, um weiterhin erfolgreich das Standbein Drittlandexport bedienen zu können.

Auf eigene Märkte besinnen

Scharf kritisierte die grüne Europaabgeordnete Maria Heubuch Schmidts Pläne. Die Weltmarktorientierung untergrabe entwicklungspolitische Ziele, kritisierte die Politikerin. Europäische Molkereien hätten in den vergangenen Jahren in Afrika Tochtergesellschaften gegründet, die ausschließlich europäisches Milchpulver verwenden, anstatt lokale Lieferketten aufzubauen, so Heubuch. Zwischen 2009 und 2014 habe sich der Export von Milchpulver aus der EU vervierfacht, und ein großer Teil davon gehe nach Afrika.

Ähnlich sei die Situation bei Geflügel. „In Europa schwer verkäufliche Geflügelteile werden in großen Mengen auf den afrikanischen Kontinent entsorgt, ohne dass für die Einhaltung der Kühlkette garantiert werden könnte“, erklärte die Europaabgeordnete. Um seiner internationalen Verantwortung nachzukommen, müsse Deutschland radikal umdenken und sich auf die eigenen Märkte besinnen. (SB)
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