DLG-Studie

Fleischersatz besser kennzeichnen

Für vegetarischen Fleischsalat haben viele Verbraucher kein Verständnis.
-- , Foto: ISN
Für vegetarischen Fleischsalat haben viele Verbraucher kein Verständnis.
Vegetarischen Fleisch- und Wurstersatzprodukte werden häufig als „Schnitzel“, „Frikadelle“ oder „Mortadella“ vermarktet. Hitzig diskutiert wird die Frage, ob Verbraucher dadurch getäuscht werden. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Münster eine Verbraucherstudie zu „Akzeptanz und Käuferverhalten bei Fleischersatzprodukten“ durchgeführt.

„Schnitzel“ und „vegetarisch“ passen nicht zusammen

USA streiten um die Definition von Milch
In den USA ist ein Streit zwischen Milchbauern und den Herstellern pflanzlicher Alternativprodukte entbrannt um die Frage, was eigentlich als Milch bezeichnet werden darf. Die Milchbauern wollen den US-Kongress dazu bewegen, dass dieser die Nutzung des Begriffs per Gesetz auf Produkte beschränkt, die von Tieren stammen. Die Produzenten der Milchersatzprodukte aus Soja, Mandeln oder Kokosnüssen hingegen haben von der Lebensmittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) Unterstützung für eine umfassendere Definition des Begriffs gefordert, berichtet Dow Jones News. Es geht dabei um einen Markt mit einem Volumen von 16 Mrd. €. Dabei sind die Verkaufszahlen von pflanzlichen Milchersatzprodukten in den vergangenen fünf Jahren um 76 Prozent gestiegen, während im selben Zeitraum 18 Prozent weniger tierische Milch, verkauft wurde. Die Ersatzprodukte machen 9 Prozent am gesamten Markt für gekühlte Milch aus.
Das Ergebnis zeigt, dass die meisten Befragten ein Fleischersatzprodukt nicht als Vertreter einer Produktgattung wahrnehmen, die traditionell aus Fleisch hergestellt wird. 75 Prozent der Befragten sind dabei der Meinung, dass die Verwendung einer Produktgattungsbezeichnung, wie „Schnitzel“, nicht zu einem Produkt passt, das gar kein Fleisch enthält. 52 Prozent empfinden die Verwendung einer solchen Produktgattungsbezeichnung bei vegetarischen Produkten sogar als Verbrauchertäuschung. Umso wichtiger sei es, dass der ausgetauschte Rohstoff deutlich kenntlich gemacht wird, stellt die DLG fest.

Schnitzel soll nach Schnitzel schmecken

Die aus Verbrauchersicht am stärksten bevorzugte Bezeichnung für ein Fleisch- oder Wurstersatzprodukt, das ein „Produktvorbild“ aus Fleisch „kopiert“, ist unter den Befragten mit 43 Prozent Zustimmung eine Bezeichnung wie „vegetarisches Produkt nach Schnitzelart“. Das sensorische Profil ist oft ein entscheidender Faktor. Wird ein Fleischersatzprodukt nach einem „Produktvorbild“ aus Fleisch bezeichnet, dann sollte es auch weitgehend den sensorischen Eigenschaften des „Produktvorbilds“ entsprechen. Qualitätsprüfungen und -siegel, die dies belegen, wären aus Verbrauchersicht hilfreich.

Fleischersatzprodukte werden positiv gesehen

Im Vergleich zu traditionellen Fleischerzeugnissen, die als appetitlicher und besser schmeckend eingestuft werden, verbinden viele Verbraucher mit Fleischersatzprodukten durchaus auch einige positive Aspekte. Das sind zum Beispiel Gesundheit, Umwelt, Klima und Tierwohl. Sie dürften eine Rolle dabei spielen, dass bereits 43 Prozent der Befragten schon einmal vegetarische Fleisch- oder Wurstersatzprodukte probiert haben.

Wenig regelmäßige Konsumenten

Obwohl die Probierbereitschaft bei vegetarischen Wurst- und Fleischersatzprodukten groß ist, ist nur ein sehr kleiner Anteil der befragten Verbraucher als regelmäßige Stammkäufer einzustufen. Viele der Personen, die schon einmal vegetarische Fleischersatzprodukte gekauft haben, geben an, dass sie diese Erzeugnisse seltener als alle 14 Tage bzw. unregelmäßig kaufen. Gründe dafür könnten sein, dass das sensorische Profil und das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht überzeugt haben. (SB)
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