In Brasilien sollen Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden und Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums bestochen worden sein und jahrelang untaugliches Fleisch in den Verkauf gelassen haben. In 23 Fleischbetrieben fanden am Freitag Razzien statt, darunter auch bei den weltweit bedeutendsten Fleischproduzenten JBS und BRF. Es wurden drei Fleischbetriebe geschlossen und andere unter Beobachtung gestellt. Auch wenn die brasilianische Regierung beteuert, es bestünde keine Gefahr für die Verbraucher, ist der Ruf des Landes als größter Fleischexporteur der Welt belastet. 

EU verhandelt über Hygiene

Der Skandal kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In dieser Woche ist die 2. Runde in den Mercosurverhandlungen in Buenos Aires anberaumt. Ausgerechnet jetzt stehen die sanitären Regeln für das angestrebte Freihandelsabkommen auf der Tagesordnung. Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay fordern einen besseren Zugang zum europäischen Rindfleisch- und Ethanolmarkt. Die Südamerikaner erwarten einen Durchbruch in den Verhandlungen noch in diesem Jahr. Die EU bremst dagegen wegen ihres sensiblen Agrarsektors. Die protektionistischen Bestrebungen in den USA könnten den Mercosurverhandlungen dennoch Auftrieb geben. Copa/Cogeca macht wegen des Skandals darauf Aufmerksam, dass die EU bei den Importen von Fleisch aus Südamerika strenge Maßstäbe anlegen müsse und den heimischen Sektor nicht benachteiligen dürfe. 

JBS sieht sich zu unrecht beschuldigt

Brasiliens größter Fleischkonzern JBS betont in einer Unternehmensmitteilung, nicht in den Skandal verwickelt zu sein. Das untaugliche Fleisch sei nicht als Ware von JBS in den Handel gelangt und es seien von den Behörden keine JBS-Betriebe geschlossen worden. JBS widerspricht zudem Medienberichten, nach denen die Justzitzbehörden gegen führende Mitarbeiter des Unternehmens ermittelt würden. (Mö/SB)
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