Biomasse

Food-Security-Kriterien im Praxistest

Freiwillige Standards und Zertifizierungskriterien für eine nachhaltige Biomasseproduktion gibt es bereits einige. Manche beziehen sich nur auf bestimmte Rohstoffe wie die Runden Tische für Palmöl und Soja oder der Forest Stewardship Council (FSC) für Holz. Andere wie der International Sustainability & Carbon Certification Standard (ISCC) oder das System des Schweizer Runden Tisches für nachhaltige Biomaterialien (Roundtable on Sustainable Biomaterials, RSB) sind auf verschiedene Rohstoffe anwendbar.

Alle diese Systeme berücksichtigten bislang jedoch kaum die Frage der Ernährungssicherheit, auch wenn sie in Ländern zertifizieren, in denen Hunger herrscht, so die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Die wenigen existierenden Vorschläge würden in der Praxis noch nicht angewandt, da sie sehr komplex seien.

Hier setzen die drei Organisationen gemeinsam mit Zertifizierungsstandards an: Ihr Ziel ist es, bestehende Zertifizierungssysteme durch den Food Security Standard (FSS) so zu ergänzen, dass die Einhaltung des Menschenrechts auf angemessene Ernährung auf lokaler Ebene bei der Produktion nachwachsender Rohstoffe überprüft und sichergestellt werden kann.

45 Kriterien als konzeptioneller Rahmen

Insbesondere Länder und Regionen in Afrika, Asien und Lateinamerika, in denen dieses Recht in der Praxis nicht immer erfüllt wird, sollen davon profitieren. Dazu erarbeitete und publizierte das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Uni Bonn in Kooperation mit der Welthungerhilfe in einem Vorgängerprojekt bereits den konzeptionellen Rahmen und 45 konkrete Kriterien, die bei Zertifizierungsprozessen einsetzbar sind. Die Wissenschaftler hatten dazu existierende Standards analysiert, geeignete Kriterien übernommen und fehlende ergänzt.

Im dem seit Mai 2017 laufenden Vorhaben geht es nun darum, diese Kriterien in regulär laufende Zertifizierungsprozesse zu integrieren. Dies erfolgt an Standorten, an denen bereits Biomasse für den Weltmarkt produziert wird. Als ersten Meilenstein konnte das Projekt bereits Absichtserklärungen für die Pilotzertifizierungen einholen: In Bolivien und Guatemala wird der Food Security Standard im Zuckerrohranbau Anwendung finden, und zwar sowohl bei Kleinbauern als auch auf Plantagen.

Wirksamkeit sicherstellen

Die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens durch das ZEF zielt darauf, die tatsächliche Wirksamkeit des Food Security Standards bezüglich des Schutzes des Menschenrechts auf Nahrung sicherzustellen. (mrs)
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