Tierhaltung

Forderung nach Fleischabgabe

Prof. Folkhard Isermeyer plädiert für den "großen Wurf"
-- , Foto: jst
Prof. Folkhard Isermeyer plädiert für den "großen Wurf"

Die Tierhaltung steht im Spannungsfeld gesellschaftlicher Vorstellungen und  internationalem Produktions- und Kostendruck. "Wenn wir die Entwicklung allein dem Markt überlassen, wird dies - abgesehen von einzelnen Marktnischen - nicht zu einer gesellschaftlich akzeptierten Tierhaltung führen", so der Leiter des Thünen-Instituts Prof. Folkhard Isermeyer am Mittwoch in Berlin. Im Rahmen eines "Fachforums Landwirtschaft" der Berliner Zeitung "Tagesspiegel" plädierte Isermeyer für "den großen Wurf" durch die Politik. So könnte der Bundestag beschließen, zur Finanzierung des Kurswechsels in der Tierhaltung eine generelle Abgabe auf Milch- und Fleischprodukte zu erheben. Dieses Geld könnte anschließend zweckgebunden Landwirten zur Verfügung gestellt werden, um betriebliche Mehrkosten einer artgerechteren Tierhaltung zu decken, führte Isermeyer aus.

Dieses Vorgehen würde bereits auf freiwilliger Basis in der von der Wirtschaft organisierten Initiative Tierwohl (ITW) praktiziert, sagte er. Doch bringe die ITW nur ein Finanzvolumen von rund 100 Mio. € pro Jahr. Für eine flächendeckende Umgestaltung der Tierhaltung müsste dieser Betrag jedoch mindestens verzehnfacht werden. Ein solch großer Finanztransfer ließe sich in der ITW nicht organisieren, zeigte sich Isermeyer überzeugt. Für einen wirklichen Kurswechsel in der nationalen Tierhaltung sei somit eine politische Lösung unumgänglich.

Als Alternative für einen solchen radikalen Schritt schlägt Isermeyer ein Zugehen der Politik auf die ITW vor. Denn bei allen Grenzen des Systems sei sie aktuell der einzige Ansatz mit Breitenwirkung. Diese gelte es auszubauen. Als weitere große Herausforderung für die Neuausrichtung bezeichnete Isermeyer die Entwicklung konkreter Zielbilder für Haltungsformen für die einzelnen Tierarten. Die Ställe der Zukunft müssten sowohl umwelt- und tiergerecht sein und dabei auch optisch den Erwartungen der Bürger entsprechen, mahnte er. "Vielleicht lösen diese Vorbilder dann so viel Begeisterung aus, dass die Politik später den Mut fasst sie durchzusetzen und hierfür den Verbraucher zur Kasse zu bitten", so Isermeyer. (jst)
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