Die Untersuchung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) gemeinsam mit Kollegen aus Frankreich (Universität Lorraine und EDF) und der Schweiz (EAWAG) zeigt, dass es für mehrere tausend europäische Gewässer ein ökologisches Risiko durch Chemikalien gibt. „Bei rund 15 Prozent könnten sogar akut toxische Effekte auf Gewässerorganismen auftreten“, warnen die Forscher.

Untersucht haben die Wissenschaftler große Gewässer wie Donau und Rhein. Es wurden Risikoschwellen für Fische, Wirbellose und Algen festgelegt. Die analysierten Daten stammten aus der behördlichen Überwachung. Da diese in den Nachbarländern recht unterschiedlich sind, mahnen die Wissenschaftler zu länderübergreifenden Vergleichen.

„Generell haben wir in unserer Analyse das Risiko eher unter- als überschätzt", so Studienleiter Dr. Ralf B. Schäfer vom Institut für Umweltwissenschaften Landau. „Die reale Situation der europäischen Gewässer ist wahrscheinlich noch schlechter".

Der Eintrag der Chemikalien in die Gewässer erfolgt größtenteils durch die Landwirtschaft und städtische Kläranlagen, schreiben die Wissenschaftler. „Pestizide stellen mit Abstand die stärkste Belastung für die Gewässer dar“. Allerdings treten auch Chemikalien, die aus Verbrennungsprozessen stammen, in bedenklichen Konzentrationen auf.

Die Studie zeige auf Grundlage der heute bereits überwachten Stoffe einen Handlungsbedarf. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es zusätzlich Chemikalien in den Gewässern gebe, die noch gar nicht untersucht werden. „Für die Praxis bedeutet das, dass sich auf allen Ebenen dringend etwas bewegen muss zum nachhaltigen Schutz der Gewässer", so Schäfer.

Die Forschergruppe ist sich einig: Es ist zu befürchten, dass die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie der EU auf Grund der massiven chemischen Belastung verfehlt werden, sollte sich an der aktuellen Situation nichts ändern. (hed)
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