Ernteeinbußen

Frankreich verkündet Notfallplan


„Wo bleibt Le Foll“, fragten verzweifelte französische Bauern angesichts der Misere, die sich ihnen seit Mitte Juli beim Drusch von Gerste, Raps und Weizen offenbart. In dieser Woche hat Frankreichs Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll reagiert und Hilfsmaßnahmen versprochen.

Besonders betroffen sind nach Informationen seines Ministeriums die Departments Grand-Est, Ile-de-France, Centre-Val-de-Loire und Bourgogne-Franche-Comté, die sich im Zentrum und Nordosten Frankreichs befinden. Dort sind erhebliche Einbußen der geernteten Mengen und Qualitäten von Getreide und Raps zu erwarten.

Le Foll kündigte am Mittwoch ein Bündel von Maßnahmen an, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Dazu gehört, dass Landwirte vorübergehend staatlich geförderte Kredite nicht mehr bedienen müssen und die Tilgung aussetzen können. Zudem gibt es Entlastungen bei der Grundsteuer. Sonstige Steuerschulden können gestundet werden. Außerdem soll es im Jahr 2016 eine beschleunigte Rückerstattung der Mehrwertsteuer geben.

Regierung erklärt „höhere Gewalt"

Schließlich hat die Regierung in Brüssel erklärt, dass es sich bei den hohen Niederschlagsmengen um „höhere Gewalt" handelt. Darauf können sich Landwirte berufen, wenn sie wegen der Wetterextreme nicht in der Lage sind, alle Cross-Compliance- oder Greening-Auflagen für die Direktzahlungen zu erfüllen. Unter anderem geht es um die Fristen für Zwischenfrüchte.

Eine erste aussagekräftige Bilanz der Einbußen an Erntemenge und Qualität will das Agrarministerium Ende September vorlegen. Dann will sich Le Foll auch mit den führenden Versicherungsunternehmen treffen, um Möglichkeiten einer neuen subventionierten Ernteversicherung zu beraten. Auf dieser Grundlage soll ein Plan für den Getreidesektor erstellt werden. (db)
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