Tierwohlfinanzierung

Geflügelbranche fordert Fleischabgabe

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Die niedersächsische Geflügelwirtschaft fordert eine Fleischabgabe, die zur Finanzierung von Tierwohlleistungen genutzt werden soll. Im Bundeslandwirtschaftsministerium stößt dieser Wunsch auf wenig Gegenliebe. Staatssekretär Hermann Onko Aeikens warnte heute auf einer Diskussionsveranstaltung in Visbek (Niedersachsen) vor einer solchen „Fleischsteuer“, denn damit könne die Tür für weitere Abgaben etwa auf Zucker oder Fett geöffnet werden. Zudem spreche sich die Union in ihrem Programm zur Bundestagswahl grundsätzlich gegen die Erhöhung von Steuern aus, betonte der CDU-Politiker. Die Tierwohlleistungen der Landwirte könnten zu einem Teil die Verbraucher über höhere Preise honorieren. Dazu habe der Bund das staatliche Tierwohllabel initiiert. Darüber hinaus könnten Mittel aus der EU-Agrargeldern umgeschichtet werden, schlug Aikens vor.

Umschichtung abgelehnt

Mit dieser Auffassung stieß er bei der Geflügelwirtschaft, aber auch bei Gert Lindemann auf Widerspruch. Der Vorsitzende des vom Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt eingesetzten Kompetenzkreises Tierwohl wies in der Podiumsdiskussion darauf hin, dass bei einer Umschichtung der Agrarsubventionen letztendlich die Landwirtschaft die Tierwohlleistungen durch Einsparungen an anderer Stelle selbst finanzieren müsste. 


Friedrich-Otto Ripke stellte fest, dass viele Geflügelhalter als gewerbliche Betriebe nicht von höheren EU-Zahlungen profitieren könnten. Der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) kritisierte, dass die Geflügelhalter bisher auf einem Teil der Mehrkosten für das Tierwohl sitzengeblieben seien. (SB)
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