Hochschulen

Gegen den Mainstream

Zwei Themen prägten den parlamentarischen Abend des Berufsverbandes VDL Agrar Ernährung Umwelt gestern in Berlin: Der Umgang der Gesellschaft mit der Landwirtschaft und die Agrarforschung. So unterschiedlich wie die Meinung der vier Bundestagsfraktionen zu agrarpolitischen Themen sein können, beim Thema Ausrichtung der Hochschulen herrschte gestern im Haus der Landwirtschaft Einigkeit: Die Forschung muss sich wieder mehr auf das Grundsätzliche besinnen.

Weltfremde Forschung

Der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Hermann Onko Aeikens (CDU) betont, dass sich die universitäre Forschung wieder mehr den Basisthemen widmen müsse. „Wenn es um die Frage geht entweder Tourismus oder Landwirtschaft, müsse dem Agrarsektor Priorität eingeräumt werden“, erklärt er. „Essen müssen wir täglich, aber nicht täglich fahren wir in den Urlaub". 

Auch die agrarpolitische Sprecherin der Partei Die Linke, Dr. Kirsten Tackmann, bereiten die derzeitigen Entwicklungen Sorgen. Die Kriterien nach denen Forschung gefördert werde, hätten mit dem richtigen Leben nichts zu tun. Viele schreiben nur noch Anträge für das, von dem sie hofften Geld zu bekommen. Mögliche "Excellenz" dürfe nicht allein zur Be- oder Abwertung verschiedener Fachdisziplinen dienen. Klassische Fachrichtungen wie die Agrarökonomie müssten mehr Stärkung erfahren, fordert sie. 

Unerträgliche Ächtung der Landwirtschaft

 
Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Kritik an der Landwirtschaft gibt Friedrich Ostendorf (Bündnis90/Die Grünen) zu bedenken, dass die Ökonomie allein aber nicht mehr das Maß der Dinge sein darf. „Alles was sich rechnet ist gut? Das können wir heute nicht mehr sagen.“ Die Gesellschaft habe massive Fragen an die Landwirtschaft und die Nutztierhaltung stehe dabei ganz oben auf der Agenda. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, Gitta Connemann, lenkt bei dem Thema gesellschaftliche Kritik das Augenmerk auf die landwirtschaftlichen Familien. Die Art und Weise, wie die Landwirtschaft derzeit geächtet werde, sei für die landwirtschaftlichen Familien nicht mehr zu ertragen. Familien müssten den Schutz von Recht und Gesetz genießen, erklärte sie in Anspielung auf die jüngsten Stalleinbrüche von Tierrechtsaktivisten.

Aikens betonte, dass die zu meisternden Herausforderungen groß seien. Aber dieses „Bauernbashing ist nicht das, was unsere landwirtschaftlichen Familien verdient haben“, sagte auch er. Umso wichtiger sei es, einen fundiert ausgebildeten Berufsstand zu haben, um diese Aufgaben zu meistern. (kbo)
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