Für den Präsidenten des  Deutscher Bauernverbandes (DBV) Joachim Rukwied, Albert Jan Mart von der LTO Nederland und Piet Vanthemsche vom Boerenbond aus Flandern/Belgien habe die Enbürokratisierung oberste Priorität, teilte der DBV mit. Die ersten Erfahrungen der Landwirte mit der Umsetzung der EU-Agrarreform 2015 zeigten, dass die gesetzlichen Vorgaben, besonders für das Greening, zu aufwändig und praxisfremd seien.

Standortangepasste Düngung notwendig

Die Nitrat-Richtlinie als „Kernstück der europäischen Strategie zum Gewässerschutz“ habe enormen Einfluss auf die tägliche Praxis der Landwirte, so die drei Verbände. Kritisch sehen die Verbände jedoch, dass „die Nitrat-Richtlinie mehr und mehr zu einem politischen Instrument zu verkommen scheint, um landwirtschaftliche Strukturen zu verändern und den Strukturwandel zu verschärfen“. Durch die großen Unterschiede bei den Bodentypen und Vegetationsbedingungen in Europa seien starre gesetzliche Regelungen und Vorschriften unbrauchbar. Gefordert wird die Erhaltung einer standortangepassten, pflanzengerechten Nährstoffversorgung und höhere Ressourceneffizienz. „Dies verhindert die Nitrat-Richtlinie in ihrer jetzigen Form“, erklärten die Präsidenten. Bei der Überprüfung der FFH-Richtlinie regten die drei Bauernverbände an, den Naturschutz auf freiwilliger Basis beizubehalten, da er sich als der konstruktivste und erfolgreichste Ansatz erwiesen habe. In Natura-2000-Gebieten müssten Landbesitzer und –nutzer bei allen Vorhaben frühzeitig eingebunden werden.

Keinen ungezügelten Handel zulassen

In den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen EU und USA sehen die drei Verbände eine Chance, die wirtschaftlichen Verbindungen zu stärken. Voraussetzung für einen Abschluss sei jedoch, die unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen im Verbraucherschutz und in der Landwirtschaft zu respektieren. „Es darf durch TTIP keinen ungezügelten, freien Handel geben, der zu ungleichen und somit unfairen Wettbewerbsbedingungen führen würde“, betonten die drei Präsidenten. Zu einem „fairen Wettbewerb“ gehörten die Beibehaltung von Importzöllen auf sensible Produkte und die Einführung von Tarifquoten. Auch Tierschutzstandards müssten in internationalen Handelsabkommen stärker berücksichtigt werden. Die Verbände warnen davor, dass Produkte aus Ländern außerhalb der EU importiert werden, in denen Tierschutzmaßnahmen in der Nutztierhaltung ignoriert werden. Dadurch würden unfaire Marktbedingungen entstehen. Die drei Bauernverbände forderten, in Fragen der Tiergesundheit auch innerhalb Europas enger zusammenzuarbeiten. Dies umfasse ein gemeinsames Vorgehen bei Seuchen und Tierkrankheiten wie auch bei Forschung und Entwicklung neuer Impfstoffe.

Keine nationalen Alleingänge

Die Präsidenten sprachen sich überdies gegen nationale politische Alleingänge in der Verschärfung des Tierschutzrechts aus: „Einseitige nationale Gesetzgebung verzerrt den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt.“ Im Bereich freiwilliger Initiativen für mehr Tierwohl soll der rege Austausch über die verschiedenen Ansätze beibehalten werden: „Private Initiativen, die die Wertschöpfungskette nachhaltiger gestalten wollen, werden zu oft kartellrechtlich verhindert.“ Hier fordern die Bauernverbände eine eindeutigere Gesetzgebung. (az)
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