Verlängerung

Gerangel um Glyphosat geht weiter


Der Umweltausschuss der EU-Kommission hat die Genehmigung für den Pflanzenschutz-Wirkstoff Glyphosat um sechs Monate bis Ende Juni 2016 verlängert. Diese Entscheidung kann der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (SPD) angesichts massiver Bedenken hinsichtlich möglicher Gesundheitsgefahren nicht nachvollziehen. „Die Gesundheit geht vor. Die kritischen Hinweise aus der Wissenschaft müssen gründlich geprüft werden. Es ist nicht zu akzeptieren, dass derartige Unbedenklichkeitserklärung gegeben werden“, sagte Wenzel heute in Hannover.

Der Minister setzt sich dafür ein, dass der Stoff vom Markt genommen wird. Schon im Mai hatte die Verbraucherschutzkonferenz der Länder einmütig den Bund aufgefordert, Glyphosat zu verbieten. Wenzel bezieht sich auf die Bewertung der Internationalen Krebsagentur, IARC, als Gremium der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Glyphosat unter Krebsverdacht stellt. In Niedersachsen ist der Glyphosat-Einsatz auf kommunalen Flächen wie Parks und Spielplätzen per Erlass bereits erheblich eingeschränkt. Seit 2014 ist auch die Sikkation vor der Getreide kurz vor der Ernte wegen möglicher Rückstände untersagt.

Eingeschränkter Krebsverdacht

Mit einer Stimme
Das BfR ist von der EU-Kommission als Berichterstatter für die EU-Länder ernannt worden. Denn für Glyphosat steht eine weitere Genehmigung seit längerem aus. Da jedoch immer wieder neue Studien zur Prüfung hinzugezogen werden, kommt es zu Verzögerungen der finalen Bewertung. Bisher hat jedoch das BfR alle Bewertungen fristgerecht abgegeben. Vielmehr die  Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) und alle EU-Mitgliedsstaaten kommen mit den vielen Nachprüfungen nicht hinterher. Deshalb musste die EU jetzt auch handeln, und hat dem nicht selektivem Wirkstoff eine Übergangsfrist von sechs Monaten gewährt.
Im derzeit laufenden EU-Wirkstoffverfahren für Glyphosat hat das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) nach eigenen Angaben alle verfügbaren Studien wissenschaftlich fundiert geprüft und bewertet. Dazu gehören auch die epidemiologischen Studien zur Gesundheitsvorsorge, die die IARC in ihrer Monographie zitiert hat. Sowohl das BfR als auch die Bewertungsbehörden der EU sowie die IARC kommen zu der Schlussfolgerung, dass diese Studien nur begrenzte Hinweise auf die Kanzerogenität von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln erbracht haben. Für die Bewertung des reinen Wirkstoffes Glyphosat seien sie von geringer Relevanz. Das BfR empfiehlt deshalb in seiner heutigen Stellungnahme, weiterhin die Diskussion über die Bewertung epidemiologischer Studien auf wissenschaftlicher Ebene zu führen. (da)
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