Medien

Germanwatch distanziert sich von "Bild"


Als "sachlich unzutreffend" bezeichnet die Nichtregierungsorganisation "Germanwatch" die in einem "Bild"-Artikel gemachten Aussagen über die Landwirtschaft. Unter anderem wurde behauptet, dass konventionell wirtschaftende Landwirte jeden Tag Antibiotika ins Futter mischten.


Reinhild Benning, Germanwatch-Referentin für Landwirtschaft und Tierhaltung, sah sich zu einer Stellungnahme genötigt. Denn nach heftigen Protesten durch die Landwirte nannte die Bild-Zeitung ihre NGO als Quelle. "Diese Behauptung ist sachlich ebenso unzutreffend wie der anschließend in einem Artikel des Milcherzeuger-Magazins "Elite" entstehende Eindruck, Germanwatch sei hier als Informationsquelle herangezogen worden", heißt es in der Stellungnahme. 


Nach Aussage Bennings erhielt Germanwatch erst nach Veröffentlichung des Artikels und nach den hochkochenden Bauern-Protesten einen Anruf aus der Bild-Redaktion, in dem sie ihre Position darlegen konnte. Germanwatch will Herausforderungen und Lösungen breit diskutieren. Dazu würden immer wieder Untersuchungen und Studien veröffentlicht. Die Ergebnisse ihrer Recherchen sieht Benning nicht angemessen dargestellt.


Unterdessen findet der Bauernverband in Schleswig-Holstein drastische Worte für den weiteren Umgang mit den Protesten. "Die Bild-Lüge über unsere Landwirtschaft offenbart ein schlechtes Management der Krise des Boulevard-Blattes", heißt es auf dessen Facebookseite. Die Email-Schreiber hätten alle eine Standard-Antwort erhalten: „Es war nie unsere Absicht, die Arbeit der Landwirte zu diskreditieren“, heißt es darin. 


Sönke Hauschild vom Bauernverband besteht hartnäckig darauf, alle Quellen für den Artikel genannt zu bekommen. Bisher habe er – trotz telefonischer Zusage durch eine der beiden Redakteurinnen – keine Liste der Quellen erhalten. Er hat der Redaktion eine Frist bis heute gesetzt. Ansonsten werde der Präsident seines Nord-Verbandes, Werner Schwarz, einen Brief an den Chefredakteur verfassen. 


Derweil scheint auch der Rückhalt in der "Bild"-Redaktion gegenüber den eigenen Journalistinnen zu schwinden. "So stellen auch wir uns Zeitung nicht vor", soll Hauschild in einem Telefonat mit der Redaktion in Hamburg zu hören bekommen haben. Größter Kritikpunkt ist die Praxis, dass erst nach Veröffentlichung des Artikels die Quelle kontaktiert wurde. Die Beschwerde an den Presserat will der Bauernverband Schleswig-Holstein in dieser Woche verschicken. (kbo)

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