Zankapfel landwirtschaftliche Bodennutzung: Der DBV beklagt die zunehmende Versiegelung.
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Zankapfel landwirtschaftliche Bodennutzung: Der DBV beklagt die zunehmende Versiegelung.

Für den Boden als globale und dennoch begrenzte Ressource wollen die Naturschützer eine Lanze brechen. Dennoch ist Versiegelung und Verstädterung nur einer von wenigen Aspekten des heute vorgestellten Bodenatlas. Der Schulterschluss mit der Landwirtschaft gegen diese Art von Landverlust wird nicht gesucht. Der Deutsche Bauernverband hingegen thematisiert vor allem den Flächenverlust durch Verkehrswege- und Siedlungsbau als Problem.

Vielmehr seien Regierungen  in der Pflicht, den Bodenverbrauch und Bodenverlust weltweit zu begrenzen, so die Autoren des Bodenatlas. Besonders scharf kritisiert der Bodenatlas internationale Handelsverflechtungen bei Futtermitteln, Düngemitteln und Fleisch. Dadurch sei der Anspruch an Fläche weltweit ungerecht verteilt und führe zu einer Übernutzung der Böden. Rund 60 Prozent der für den europäischen Konsum genutzten Flächen befinden sich außerhalb der EU, stellt das 52 Seiten starke Werk anschaulich dar. Damit sei Europa der Kontinent, der für seinen Lebensstil, seine Agrarindustrie und seinen Energiehunger am stärksten von Land außerhalb seiner Grenzen abhängig ist.

Den Bodenatlas 2015 veröffentlicht ein Bündnis aus dem BUND, der Heinrich Böll-Stiftung, der Zeitschrift Le Monde Diplomatique und dem Institut für Nachhaltigkeitsstudien in Potsdam (IAAS). Er steht in einer Reihe mit dem bereits mehrfach erschienenen Fleischatlas, der in den vergangengen Jahren die internationalen Futtermittelströme und Fleischerzeugung ins Visier genommen hat.

Stärker auf die Bodenqualitäten und -gefährdungen in Deutschland richtet sich der Situationsbericht Boden, den der Deutsche Bauernverband (DBV) heute vorgestellt hat. „Landwirtschaftlich genutzte Böden sind in Deutschland heute fruchtbarer als noch vor einigen Jahrzehnten. Unsere auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Landwirtschaft sorgt für eine hohe Ertragskraft und Produktivität der Böden", so rückt DBV-Präsident Joachim Rukwied die deutsche Landwirtschaft in positives Licht. Mit dem Bericht 'Moderne Landwirtschaft - Gesunde Böden' greift auch der DBV das Internationale Jahr des Bodens auf.

Während in vielen anderen Regionen der Welt die Fruchtbarkeit der Böden unter anderem durch Überweidung, Erosion, Wüstenbildung oder Versalzung gefährdet sei, liege in Deutschland  hingegen die größte Herausforderung für den Bodenschutz bei der Reduktion des Flächenverbrauchs durch Versiegelung, Überbauung und infrastrukturelle Maßnahmen, betont Rukwied. Täglich würden immer noch bundesweit 73 Hektar wertvollen Bodens der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Jährlich geht dadurch eine Fläche verloren, auf der der Brot-Jahresverbrauch von über 3 Millionen Menschen erzeugt werden könnte. (brs)
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