Die Internationale Krebsforschungsagentur der WHO, IARC, hat das Herbizid Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ eingestuft. Die Industrie hält diese neue Einstufung nicht für gerechtfertigt. Die beiden Grünen-Politiker Harald Ebner und Martin Häusling fordern aber ein sofortiges Handeln der deutschen Behörden.

Das Bundesamt für Risikoforschung (BfR) hingegen verwahrt sich gegen voreilige Schlüsse. Es nennt die Veröffentlichung in der Zeitschrift Lancet wissenschaftlich schlecht nachvollziehbar. Die Bewertung sei offenbar nur mit wenigen Studien belegt. Die Wissenschaftler weisen die Neubewertung jedoch nicht völlig von der Hand: „Die Entscheidung der IARC kann jedoch nicht abschließend beurteilt werden.“ Die wissenschaftlichen Quellen müssten noch offen gelegt werden.

Die jetzt publizierte IARC-Einstufung basiert zum einen auf Anhaltspunkten für kanzerogene Wirkung in Studien am Menschen, berichtet das BfR weiter, also einem statistischen Zusammenhang zwischen Glyphosatexposition und einem erhöhten Risiko für Non-Hodgkin Lymphome. Dieses Risiko werde aus drei epidemiologischen Studien aus den USA, Kanada und Schweden abgeleitet. Allerdings sei diese Einschätzung in einer sehr großen Kohorte der ebenfalls zitierten „Agricultural Health Study“ sowie weiteren Studien nicht bestätigt worden, so die Abwägung des BfR.

Sofort Zulassung entziehen

Harald Ebner, Sprecher der Bundestagsfraktion für Gentechnik und Bioökonomiepolitik, fordert, die Bundesregierung müsse die Zulassung umgehend aussetzen: „Das allgegenwärtige Allzweckgift ist eben nicht harmlos. Glyphosat-Anwendungen kurz vor der Ernte, auf Grünflächen und in Privatgärten müssen sofort die Zulassungen entzogen werden.“ Ebner erweitert seinen Angriff gegen das Herbizid um eine Schelte gegen herbizidtolerante Pflanzen: „Pflanzen, die extra für einen massiven Glyphosateinsatz entwickelt wurden, haben auf unseren Äckern nichts zu suchen, unabhängig davon, ob sie gentechnisch verändert oder konventionell gezüchtet wurden.“

Vor allem auf die Bedeutung Deutschlands für die EU-Zulassung hebt Martin Häusling ab. Denn das BfR ist die berichterstattende Behörde für die auf EU-Ebene anstehende Neuzulassung des Herbizids: „Wenn sogar die WHO warnt, dann sollte dies das Bundesamt für Risikoforschung (BfR) doch stutzig machen.“ (brs)
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