„Gütesiegel auf Fleisch informieren oft mangelhaft.“ Dieses Fazit zogen jetzt die Umweltschützer von Greenpeace, als sie für ihren Siegelratgeber verschiedene Label und Initiativen zum Tierwohl unter die Lupe nahmen. Nur wenige kamen in dem Urteil gut weg. Der häufigste Kritikpunkt lag darin, dass die Anforderungen meist nur wenig bis gar nicht über die gesetzlichen Mindeststandards hinausgingen.

Allerdings geht Greenpeace bei seiner Kritik von falschen Voraussetzungen aus. Denn bei vielen Siegeln spielen die Haltungsbedingungen keine besondere Rolle. Man vergleicht Äpfel mit Birnen, wenn Produkte von Neuland mit denen der Initiative Tierwohl (ITW) oder jenen mit DLG-Medaille in einen Topf geworfen werden. Darauf wiesen auch die Betroffenen in ersten Reaktionen hin.

Die ITW beispielsweise unterstrich, dass es sich um ein Bündnis der Wirtschaft handele, nicht um ein Produktlabel. Ihr Ziel sei es vielmehr, auf lange Sicht Veränderungen in der Nutztierhaltung zu erreichen. Ein Wandel auf Knopfdruck sei nicht umsetzbar. Das Prüfsystem QS wiederum erinnerte daran, dass sein Schwerpunkt auf der Lebensmittelsicherheit liegt. Das QS-Signet sei also keinesfalls ein Gütesiegel für Schweinefleisch.

Bemerkenswert ist, dass Greenpeace am vergangenen Samstag mit Aktionen in über 50 Städten explizit Lidl aufforderte, „mit guten Beispiel voranzugehen“ und die Kunden bei seiner Eigenmarke „Landjunker“ über die Haltung der Tiere zu informieren. Beispielgebend sei Dänemark, wo der Discounter bereits Fleisch verkaufe, das von Schweinen stammt, die ohne Antibiotika auskommen. (az)
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