Die Datengrundlage für eine positive Bewertung von Glyphosat sei unzureichend, so Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik der Partei Bündnis90/Die Grünen. Anlässlich der Vorstellung einer neuen Studie fordert Ebner ein umfassenderes "Humanbiomonitoring" vor einer Entscheidung der EU-Mitgliedstaaten.

Die heute in Berlin vorgelegte Studie entstand aus einer Kooperation der Bürgerinitiative Landwende und der Leipziger Wissenschaftlerin Prof. Martina Krüger. Darin werde erstmals in einem größeren Umfang dargelegt, dass 75 Prozent der deutschen Bevölkerung Glyphosatrückstände im Urin aufwiesen. Die höchsten Belastungen hätten den Ergebnissen zufolge Altersgruppen bis 19 Jahre. Eine Risikobewertung lasse sich aus der Studie allerdings nicht ziehen, erläuterte Krüger. Sie sei auch nicht wissenschaftlich bewertet.

Dennoch müsse die Bundesregierung in Brüssel das Vorsorgeprinzip nach vorne stellen und eine voreilige Zulassung von Glyphosat verhindern. "Notfalls muss Bundesumweltministerin Barbara Hendricks Agrarminister Christian Schmidt stoppen", forderte Ebner. Er halte es für möglich, dass sich Deutschland einer Zustimmung enthalten müsse. Auch andere Länder hätten seiner Kenntnis nach noch kein eindeutiges Votum für Glyphosat beschlossen, beispielsweise die Niederlande.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) kritisiert, dass die Grünen heute keine neuen Erkenntnisse vorgestellt haben. Es wurden keine bislang unbekannten gesundheitsbedenklichen Konzentrationen im Urin der Testpersonen gefunden, betont der DBV. Der Verband verweist  nochmals auf die Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zum Wirkstoff Glyphosat und appelliert an die Politik, Bewertungen auf sachlicher und wissenschaftlicher Basis zu fällen. Laut DBV habe bereits 2013 eine Auswertung von sieben Untersuchungen aus den USA und Europa gezeigt, dass alle gemessenen Werte in einer Größenordnung lagen, die keine gesundheitliche Gefährdung bedeuteten. (jst/SB)
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