Glyphosat

Grüne und Greenpeace kritisieren Bewertung

Freifahrtschein für ein Agrargift, schwerer Fehler, unbegreiflich, Ignoranz. Die Glyphosat-Kritiker sparen nicht mit markigen Worten, wenn sie die Bewertung der EFSA zum Pflanzenschutzmittel Glyphosat kommentieren. Sie fordern, das Pflanzenschutzmittel sofort aus dem Verkehr zu ziehen.

So zweifelt Greenpeace an der wissenschaftlichen Unabhängigkeit der EU-Behörde. Wie schon das deutsche Bundesamt für Risikobewertung verlasse sich die die EFSA viel zu sehr auf Studien der Unternehmen, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich seien, heißt es in einer Stellungnahme aus der Hamburger Greenpeace-Zentrale. „Das Resultat ist ein Freibrief für ein wahrscheinlich krebserregendes Agrargift“, kritisiert Greanpeace.

„Ein Weiter so beim Einsatz von Glyphosat auf unseren Äckern kann es nicht geben“, fordert Baden-Württembergs Agrarminister Alexander Bonde (Grüne). Baden-Württemberg habe sich bisher sowohl im Bundesrat, als auch gegenüber der Europäischen Kommission stark gemacht, den Einsatz des Pflanzenschutzmittels deutlich zu begrenzen und deshalb ein europaweites Verbot der Anwendung von Glyphosat zur Abreifebeschleunigung bei der Ernte sowie zur Anwendung als Herbizid im Haus- und Kleingartenbereich gefordert.

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) fordert rasch eine endgültige, wissensbasierte Klärung, wie es mit Glyphosat weiter gehen soll, damit „diese ideologisch aufgeladenen Diskussionen versachlicht und gelöst werden“. Als Vorsitzender der Agrarministerkonferenz werde er das Thema im kommenden Jahr „ganz weit nach oben auf die Tagesordnung setzen“, kündigte Backhaus an. Er fordert eine eindeutige Stellungnahme des Bundes, um der Verunsicherung bei Landwirten und Verbrauchern zu begegnen.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner wirft der Efsa vor, sich auf die „mangelhafte und industrienahe Vorarbeit des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu stützen“. Angesichts schwerwiegender Warnungen von Experten dürfe Glyphosat auf keinen Fall für weitere zehn Jahre neu zugelassen werden. Von den EU-Mitgliedstaaten fordert Ebner, die Empfehlung aus Parma als untauglich zurückzuweisen und eine gründliche Neubearbeitung von der EFSA zu verlangen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wirft der Efsa eine „unglaubliche Ignoranz“ gegenüber den Gesundheitsrisiken des Wirkstoffes vor. Besonders verwerflich sei, dass die täglich akzeptierte Dosis für die Aufnahme des Wirkstoffes durch den Menschen von 0,3g auf 0,5g/kg Körpergewicht angehoben werden solle. „Trotz der Einstufung von Glyphosat durch Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserzeugend hat die EFSA leider verharmlosende Bewertungen des Wirkstoffes durch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kritiklos übernommen“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Kirsten Tackmann (Linke) stellt das gesamte Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel in Frage. „Der ganze Prozess zeigt, wie wenig das aktuelle Zulassungssystem in der EU geeignet ist, Risiken zu klären und zu vermeiden“, erklärte die Agrarpolitische Sprechern der Linken im Bundestag. Das Zulassungsverfahren müsse im Sinne einer unabhängigen Bewertung und Vermeidung von Risiken für die Umwelt und die Gesundheit qualifiziert und transparenter werden, fordert Tackmann. (SB)
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