Reduktionsplan

Grüne wollen deutlich weniger Pflanzenschutz

Der "5-Punkte-Pestizidreduktionsplan" der Grünen sieht unter anderem vor, den Pflanzenschutzeinsatz in ökologisch-wertvollen Gebieten vollkommen zu untersagen. Generell soll der Einsatz chemisch-synthetischer Mittel deutlich zurückgefahren werden. Dafür stellt sich die Partei eine "Bonus-Malus-Regelung" vor, die Katrin Göring-Eckardt, Bundesvorsitzende der Grünen am Montag in Berlin vorstellte. Den Bonus sollen Landwirte erhalten, die ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auskommen. Der Malus kommt in Form einer "Pestizidabgabe" auf konventionell wirtschaftende Erzeuger zu.

Mehr integrierter Landbau
AbL-Vertreter Eckehard Niemann fordert die Rückbesinnung auf bewährte ackerbauliche Strategien des „integrierten Landbaus“. Dieser erlaubt chemischen Pflanzenschutz nur dann, wenn wirklich alle anderen Maßnahmen nicht mehr helfen. Problem-Unkräuter und –Ungräser könnten durch vielfältigere und weitere Fruchtfolgen, durch Bodenbearbeitung und mechanische Unkrautregulierung oder geänderte Aussaat-Termine zurückgedrängt werden. Die Züchtung widerstandsfähiger Sorten und der verstärkte Anbau von Sommerungen könnten den Einsatz mancher Mittel verhindern. Die Minimal-Bodenbearbeitung sei auch ohne chemische Beseitigung des Aufwuchses umsetzbar, so die AbL.
Als "besonders schädliche Stoffe" stufen die Grünen Glyphosat, Glufosinat und Neonicotinoide ein, deren Einsatz gänzlich gestoppt werden müsse. Um den alternativen Pflanzenschutz auszubauen, soll die Forschung dazu gefördert werden. Schließlich verlangt die Partei in ihrem Plan, dass bei Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel Einflüsse der Hersteller ausgeschlossen werden müssten. 

Der "industrielle Pestizideinsatz" bedrohe die Artenvielfalt, so die Bundesvorsitzende. "Wir fordern darum klare Pestizid-Reduktionsziele, eine Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern, die sich aus der Pestizidabhängigkeit lösen wollen und eine Lenkungsabgabe auf den übermäßigen Einsatz von Pestiziden in der Agrarindustrie."

AbL fordert mehr Differenzierung

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßte den Debatten-Beitrag der Grünen zur Pestizid-Reduzierung, forderte aber mehr Sachlichkeit. Die AbL betrachtet das Thema Pflanzenschutz-Steuer und generelle Verbote differenzierter. Neben der Artenvielfalt müssten auch die zunehmenden Resistenzen von Unkräutern, Ungräsern und Schaderregern thematisiert werden. AbL-Vertreter Eckehard Niemann fordert die Rückbesinnung auf bewährte ackerbauliche Strategien eines ernst gemeinten "integrierten Landbaus“, der chemischen Pflanzenschutz nur dann erlaube, wenn wirklich alle anderen Maßnahmen nicht mehr helfen. (mrs)
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