UN-Welternährungstag

Grünland dauerhaft schützen


Grünland bietet die Lebensgrundlage von Millionen Menschen und bilden das größte multifunktionale Ökosystem an Land. Vieh und Wildtieren bieten sie Nahrung, sie stabilisieren das Klima und bergen enormen Artenreichtum. Doch vor allem der Mensch, durch die Ausdehnung landwirtschaftlich genutzter Flächen und die Ausbreitung der Städte, sowie der Klimawandel bedrohen diese wichtigen Ökosysteme.

In einem Kolloquium an der Universität Hohenheim beleuchten am Freitag Experten die Probleme, Herausforderungen, Gefahren und Chancen für natürliche Grünlandflächen und zeigen Möglichkeiten der nachhaltigen Nutzung auf.

Grundlage für nachhaltige Tierproduktion

Der steigende Bevölkerungsdruck sowie die wachsende Nachfrage nach Nahrung und Energie bedrohen den Bestand der Grünlandsysteme dramatisch, stellen die Referenten fest. Die Hohenheimer Professoren Folkard Asch, Regina Birner, Hans Konrad Biesalski und Uta Dickhöfer skizzieren bei dem Kolloquium einen interdisziplinären Ansatz, der verschiedenen Anforderungen Rechnung trägt und Antworten auf drängende Zukunftsfragen zu geben versucht. Permanentes Grünland wird von Weidetieren wie Schafen, Rindern, Ziegen oder Kamelen als Nahrungsquelle genutzt.

„Tierproduktion ist immer dann zur Ernährungssicherung sinnvoll, wenn die Tiere das fressen, was wir Menschen nicht essen können“, erklärt Prof. Asch. Die Tiere fressen die Nettoprimärproduktion der Flächen, so der Experte. Darüber würden sie quasi zum Sonnenenergiesammler. „Sie wandeln gewissermaßen Sonnenenergie in Protein um, und das ist eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung“, so Asch.

Grünland durch Ackerbau und Städte bedroht

Die Herden könnten wandern, so dass sie sich immer dort aufhalten, wo genügend Nahrung vorhanden ist. Das sei grundsätzlich ein Vorteil, könne jedoch zum Problem werden: „Die Wanderpfade der Herden werden immer weiter eingeengt, da sich die Agrarflächen ebenso ausdehnen wie die Städte“, mahnt der Wissenschaftler. Es drohe eine Verbuschung des Landes. Jeder Umbruch des Grünlandes zu Ackerland setze erhebliche Mengen klimarelevanter Spurengase frei. Bei Grünland in den Tropen seien rund 20 bis 30 Prozent der Biomasse unterirdisch fixiert. Diese Kohlenstoffspeicher gingen bei einer Umnutzung verloren. Außerdem nutze der Ackerbau den Boden nur saisonal.

„In den Tropen besteht bei Brachen die Gefahr von Wind- und Wassererosion“, erläutert Asch. Daher sei Ackerbau im Gegensatz zur Weidenutzung dort oft nicht nachhaltig. Ein Wegfall des Grünlandes wäre klimaschädlich, würde die Biodiversität beeinträchtigen und auch die Sozialstrukturen der dort lebenden Menschen verändern. „Um dauerhaft und nachhaltig den Lebensunterhalt vieler Menschen zu sichern, müssen das Grünland geschützt werden“, schlussfolgert Asch. (SB)
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