Pflanzenschutz

Grundsatzdebatte startet


NAP auf dem Prüfstand
  • Der Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) setzt eine EU-Rahmenrichtlinie national um. Maßnahmen dürfen in den EU-Mitgliedstaaten variieren.
  • In Deutschland ist der NAP ein Aktionsplan der Bundesregierung. Federführend ist das Agrarministerium, beteiligt sind die fünf Ressorts Umwelt, Forschung, Gesundheit, Wirtschaft, Arbeit und Entwicklung.
  • Aktuell gilt in Deutschland die NAP-Fassung von 2013. Die Aktionspläne werden alle fünf Jahre komplett überarbeitet. Jetzt steht die Halbzeitbewertung an. (db)
In Potsdam findet am Dienstag und Mittwoch ein wegweisendes Treffen für die grundsätzliche Ausrichtung des Pflanzenschutzes in Deutschland statt. Den Rahmen setzt der NAP (siehe Kasten). Er steht zur Überprüfung an. Dazu werden im Midterm-Workshop in Potsdam Vorschläge zur Weiterentwicklung erarbeitet. Anwesend sind Pflanzenschutzexperten von Bund und Ländern sowie von Interessenvertreter von Verbänden. Sie bilden nicht das ganze Spektrum ab, denn führende Organisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) und Greenpeace hatten 2011 die Mitarbeit aufgekündigt.

UBA fordert mehr Engagement

Kontroverse Positionen sind aber bereits im Vorfeld des Workshops deutlich abgesteckt worden. Den Auftakt hat das Umweltbundesamt (UBA) bereits im Januar mit seinem Fünf-Punkte-Programm gemacht. Es enthält weitreichende Forderungen für eine abgesenkte Pflanzenschutzintensität.

Feldspritze im Einsatz
-- , Foto: Erich Westendarp/Pixelio
Feldspritze im Einsatz
In Pressemitteilungen im Vorfeld des Workshops äußern sich noch einmal Agrarverbände. Der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA) wünscht sich eine sachliche und konsensorientierte Diskussion. Die Diskussion mit Vertretern verschiedenster Interessengruppen biete die Chance, Konzepte für eine zukunftsfähige Gestaltung des Pflanzenschutzes zu entwickeln. „Dabei sind aber weder ideologisch geprägte Debatten noch wahlkampf-gesteuerte Meinungsäußerungen hilfreich“, sagt BVA-Geschäftsführer Arnim Rohwer mit Blick auf die derzeitige Gemengelage um das Thema Re-Registrierung von Glyphosat. Ähnlich sieht es Dr. Henning Ehlers, Generalsekretär des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV): „Zielführend sind die Beratungen nur dann, wenn sie frei von ideologischen und rein politisch motivierten Beweggründen geführt werden – ganz im Gegensatz zu der aktuellen Glyphosat-Debatte.“

Ziele unterschiedlich bewertet

Ein kontroverser Austausch ist auch zu Reduktionszielen zu erwarten. Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Agrar (IVA), hofft, dass wie bisher im NAP die Reduktion von Risiken im Mittelpunkt steht und keine Mengenreduktion eingeführt wird. Genau dies fordert dagegen Dr. Friedhelm von Mering vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Er wird sich im NAP-Forum für „ambitionierte quantitative Reduktionsziele“ stark machen, sagte er kürzlich in einer Umfrage der agrarzeitung (az). (db)
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