Leere im Landkreis Cloppenburg.
-- , Foto: Steffen Bach
Leere im Landkreis Cloppenburg.
Während in ganz Deutschland die Vogelgrippe auf dem Rückzug ist und die Stallpflicht in Österreich am Wochenende aufgehoben werden soll, kommt es im Kreis Cloppenburg nach wie vor zu Ausbrüchen. Die Geflügelpest hat dort weitere 100.000 Puten das Leben gekostet. Zusätzlich sind mindestens drei Bestände mit insgesamt über 100.000 Tieren betroffen. Für einen Hof mit 15.000 Puten hat das Friedrich-Löffler-Institut den Erreger H5N8 bereits bestätigt, der Bestand wurde gekeult. In zwei weiteren Betrieben in Garrel besteht der Verdacht, teilte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit. Die 86.500 Puten sollen ebenfalls getötet werden. Die Betriebe befinden sich in einem bereits eingerichteten Sperrbezirk.

Schuldzuweisungen auf politischer Ebene

Es deutet sich also keine Entspannung in Sachen Vogelgrippe an. Auch nicht auf politischer Ebene, da kommt es mehr und mehr zum Schlagabtausch. Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer (Grüne) hatte postuliert, mangelnde Sorgfalt der Landwirte habe zur Ausbreitung der Vogelgrippe im Kreis Cloppenburg beigetragen. Darüber zeigte sich die Geflügelwirtschaft verärgert, ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke nannte die Vorwürfe unhaltbar. Zugleich werden in Richtung des Ministers Vorwürfe laut: Anfang März habe er eine folgenschwere Entscheidung getroffen. Meyer persönlich habe entgegen den Rat von Experten Anfang des Monats das Keulen eines Putenbestandes vermeiden wollen. Obwohl Fachleute nach einem Nachweis des Vogelgrippe-Erregers in einem Puten-Betrieb für die Tötung auch der benachbarter Bestände plädiert hatten, soll Meyer das Keulen der Puten - zunächst - verhindert haben. Nachdem das Virus auch in diesen Ställen nachgewiesen worden war, wurden sie gekeult.
Christian Meyer, NRW-Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz
-- , Foto: Meyer
Christian Meyer, NRW-Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz

Existenzbedrohende Folgen für Betriebe

Die jetzige Aussage des Grünen-Politikers, die den Grund für die Übertragung der Geflügelpest bei den Haltern suche, sei die „Unwahrheit und so nicht haltbar“, erklärte der ZDG-Präsident Ripke. Der Minister hatte gesagt, neue Erkenntnisse des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) wiesen darauf hin, dass der Virus nicht von Wildvögeln oder dem Wind verbreitet werde, sondern durch Menschen, Fahrzeuge und Geräte von Stall zu Stall getragen wurde. Ripke kritisierte, das sei nicht das Ergebnis der Untersuchungen des FLI. Vielmehr habe der Minister – vorschnell – eine Verbreitung des H5N8-Virus durch vom Wind verbreitete Staubpartikel ausgeschlossen. Der Geflügelverbandschef zeigte sich empört: Fair wäre gewesen, wenn Meyer gesagt hätte „das klären wir mal, bevor wir diese Vorwürfe erheben“. Dass auch in der Geflügelbranche schwarzen Schafe existierten, könne Ripke nicht ausschließen. Doch die in seinen Augen falsche Pauschalverurteilung weise er aber zurück. Die Geflügelwirtschaft selbst habe ein immenses Interesse daran, Einbringungswege zu erkennen und zu schließen. Schließlich seien die Folgen der Geflügelpest existenzbedrohend für einzelne Betriebe der Branche.

Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen

Nachbarland Österreich
Auch in Österreich führte das vermehrte Auftreten von H5N8 im vergangenen Winter zur Anordnung der Stallhaltung. Seit dem 10. Januar bestand Aufstallungspflicht für Geflügel. Nachdem das in Österreich zuständige Gesundheitsmministerium sowohl im Inland als auch international eine wesentliche Verbesserung der Lage seit Anfang März beobachtet hat, hat es nun die Stallpflicht zum 25. März aufgehoben.
Einige Sicherheitsmaßnahmen bestehen weiter, teilte das MInisterium mit. So die bestmögliche Vermeidung von Kontakten zu Wildvögeln und eine sofortige Mitteilungspflicht beim Auftreten von Symptomen.
In Österreich wurden insgesamt 153 Geflügepest-Fälle bei tot aufgefundenen Wildvögeln verzeichnet, fast alle Bundesländer waren betroffen. In zwei Betrieben wurden Vögel gekeult.
Freiwillig hat die Branche die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Das derzeitige Vogelgrippe-Geschehen bei Wildvögeln und in Nutztierbeständen habe durch die besondere Aggressivität des aktuellen Virustyps ein nie zuvor erreichtes Ausmaß angenommen. Daher haben der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) die bisherigen, langbewährten Biosicherheitsmaßnahmen zur Vermeidung des Eintrags der Aviären Influenza in Geflügelbestände gemeinsam weiterentwickelt: „Auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Epidemiologen des FLI und unserer Erfahrungen aus der Praxis haben wir erstmals in Deutschland eine derart umfangreiche Checkliste mit allen biosicherheitsrelevanten Aspekten zusammengestellt“, sagt Ripke. Er hebt damit vor allem den Schulterschluss zwischen Wissenschaft und Praxis hervor: „Gemeinsam haben wir eine optimale Hilfestellung für Geflügelhalter auf den Weg gebracht, um die Tierbestände zukünftig noch besser vor einem Eintrag des Aviären Influenzavirus zu schütze.“ Nur eine effektive Prävention in Form einer konsequenten Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen in den Betriebsabläufen könne das Risiko einer Übertragung des Virus minimieren. (got)
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