Stickstoff

Harte Strafen für Überschüsse


Wegen zu hoher Konzentrationen von reaktiven Stickstoffverbindungen in Luft und Gewässern verfehlt Deutschland vielfach die Vorgaben der europäischen Umweltpolitik. „Eine umweltpolitische Vorreiterrolle sieht anders aus“, stellt Prof. Heidi Foth, vom Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung (SRU) heute in Berlin fest. Der SRU geht davon aus, dass mindestens eine Halbierung der Stickstoffeinträge in Deutschland und der EU notwendig wäre, um nationale und internationale Qualitätsziele zu erreichen. Deshalb müssten Bund und Länder stärker zusammenarbeiten, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Die Novelle der Düngeverordnung bietet die Chance, die Nitratbelastung zu verringern. Allerdings würden ohne scharfe Kontrollen und Sanktionen die strengsten Vorgaben wenig nutzen. Deshalb fordert der SRU die Einführung einer Umweltabgabe auf Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft als Ergänzung zu ordnungsrechtlichen Vorgaben. Der Widerstand in der Agrarbranche gegenüber der Novelle der Düngeverordnung in Deutschland ist groß.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nahm bereist heute morgen in Berlin das Sondergutachten in Empfang. Sie hält den Eintrag von Stickstoff in die Umwelt ebenfalls für zu hoch. Doch mit der Novelle der Düngeverordnung gehe die Bundesregierung die Aufgabe entschlossen an, die Einträge aus der landwirtschaftlichen Düngung maßgeblich zu reduzieren.  Der SRU bestätigt zwar, „dass wir in die richtige Richtung gehen. Doch können und müssen wir noch mehr tun“, sagte die Ministerin.

Finanzspritze für Güllebehälter

Der Deutsche Bauernverband wehrt sich in einer ersten Stellungnahme gegen eine pauschale Dämonisierung der Düngeverordnung. Eine Substitution von Mineraldüngern durch Wirtschaftsdünger könne nur gelingen, wenn Bund und Länder den Bau von Güllebehältern in Ackerbauregionen voranbringen. Eine geplante Umweltabgabe wie sie der SRU für Umweltfragen fordere, würde das Gegenteil zur Folge haben. Die Deutsche Bundessstiftung Umwelt (DBU) bemerkte, dass die von der EU vorgegebenen Grenzwerte zu Stickstoffemissionen längst nicht eingehalten werden. Im Stall, beim Lagern und bei der Ausbringung gehe Stickstoff in Form von gasförmigen Ammoniak verloren. Der heute übliche Umgang mit Gülle und Mist müsse grundsätzliche überdacht werden. Der DBU setzt auf eine verbesserte Düngetechnik und Lagerung sowie stickstoffarme Tierhaltung. (da)
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