Greening

Heimisches Soja auf der Kippe

Auf rund 18.000 ha werden in diesem Jahr Sojabohnen in Deutschland angebaut. So viel wie noch nie. Fortschritte in der Züchtung ermöglichen es immer mehr Landwirten auch in mittleren Lagen, die wärmeliebende Pflanze anzubauen. Spitzenreiter sind Bayern und Baden-Württemberg. Hier hat es 2017 eine Verdopplung des Anbaus gegenüber Vorjahr  gegeben.
Mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2015 wurde der Anbau von Sojabohnen und anderen Leguminosen als Greeningmaßnahme anerkannt. Dies führte in diesem Jahr vor allem in Bayern und Baden-Württemberg zu einer Ausdehnung der Anbauflächen. Gerade in Baden-Württemberg konnte das Umweltförderprogramm FAKT mit der Anrechnung von ökologischen Vorrangflächen durch den Anbau von Leguminosen kombiniert werden. 

Mit dem Angebot an robusten Sorten hat sich der Kraichgau, ein Landstrich zwischen Bruchsal und Heilbronn in Baden-Württemberg, neben dem Oberrheingraben und Main-Tauber-Kreis zu einem weiteren Sojazentrum entwickelt, sagte Jürgen Recknagel vom Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg. Mit der Raiffeisen Kraichgau der Mühle Ebert und dem Hühnerhof Heitlinger haben sich Erfasser, Verarbeiter und Verbraucher zu einem Netzwerk zusammengeschlossen.

Mit ADM in Straubing ist ein weiterer Abnehmer von Soja hinzugekommen, sagt Recknagel auf einer Informationsveranstaltung am Montag in Eppingen. Die Kultur hält der Experte wirtschaftlich sehr interessant für Landwirte. Wenn es auch nach Missernten vor allem in trockenen Jahren immer wieder eine Delle geben könnte, sieht er mittelfristig für Soja einen Aufwärtstrend in Deutschland. Auch im Ertrag von 3,5 t/ha könne man mit Frankreich, Österreich und den US-Farmer durchaus mithalten.

Verbot bedeutet finanzielle Einbußen

Doch das von der EU-Kommission mitten in der Förderperiode 2015 bis 2020 verhängte Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf Greeningflächen macht mit einem Schlag in der  Landwirtschaft und bei den Verarbeitern die Freude am Sojaanbau zunichte. Bis zu drei Pflanzenschutzmaßnahmen seien notwendig, um die Bestände unkrautfrei zu halten, schildern Landwirte aus dem Kraichgau ihre Erfahrungen. Ohne Unkrautmittel seien die Pflanzen nicht zu ernten.

Der Ertragsausfall wird in diesem Fall auf 20 bis 30 Prozent eingeschätzt. Somit dürfte 2018 mit dem Verbot weniger Soja auf den Feldern stehen, heißt es unisono in Eppingen. Allerdings sind Teilnehmer am FAKT-Programm zu einer fünfgliedrigen Fruchtfolge noch für die kommenden drei Jahre bis zum Ende der Förderperiode verpflichtet. Aufgebrachte Landwirte fordern von Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Agrarministerium in Stuttgart, einen finanziellen Ausgleich. Sie rechnen mit einem Verlust von 300 € monatlich. Gurr-Hirsch versicherte, dass das Ministerium in Brüssel über einen Ersatz von Soja durch eine andere Kultur verhandeln werde. Finanzielle Entschädigungen, wie sie in Eppingen laut wurden, erteilt sie klar eine Absage. Dies sei schon deshalb nicht möglich, weil jede Hilfszahlung der Länder von Brüssel notifiziert, sprich genehmigt werden müsse in Hinblick auf einen fairen Ausgleich in allen EU-Mitgliedsländern. (da)
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