Bauernregeln

Hendricks zieht Aktion zurück

Bundesumweltministerin Hendricks im Dialog mit Landwirten in Kerpen. Zu besprechen gab es auch die Aktion "Neue Bauernregeln"
-- , Bild: BMUB
Bundesumweltministerin Hendricks im Dialog mit Landwirten in Kerpen. Zu besprechen gab es auch die Aktion "Neue Bauernregeln"

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat nach der massiven Kritik an ihren "neuen Bauernregeln" eingelenkt. Anstatt weiterhin mit  Sprüchen zu Überdüngung und Massentierhaltung zu polarisieren, will die SPD-Politikerin nun mehr den Dialog mit Bauern und Verbrauchern suchen. Dabei soll es um Missstände im Agrarsektor gehen. Die Ministerin entschuldigte sich bei den Landwirten. Hendricks sagte, einige Menschen hätten sich durch die Aufmachung der Kampagne persönlich angegriffen und in ihrer Berufsehre verletzt gefühlt. Das tue ihr leid. Bereits am Donnerstag Abend vermeldete das Bundesumweltministerium (BMUB) auf Twitter: "Hendricks geht auf Kritik an Bauernregeln ein und ruft zu breitem Dialog über Zukunft der Landwirtschaft auf."

Plakataktion abgebrochen

Damit hat die umstrittene Plakataktion mit Versen zur Landwirtschaft nach einer Woche ein Ende. Bundesweit haben alle Branchenverbände gegen die Diffamierung der Landwirte protestiert. Auch das Bundeskanzleramt war eingeschaltet. Bundesagrarminister Christian Schmit (CSU) hatte von Hendricks eine Entschuldigung verlangt. Unter anderem der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft BVA hatte die Art und Weise der Diskussion scharf kritisiert und das Einstellen der Kampagne „Gut für Umwelt. Gesund für alle“ gefordert.

Bauernrpräsident lobt Hendricks Entschuldigung

Am Donnerstag hatte sich Hendricks gegenüber Landwirten in ihrem Wahlkreis Kleve für die Aktion entschuldigt. Dafür fand Bernhard Conzen, Bauernpräsident im Rheinland lobende Worte:" Es ist richtig und wichtig, dass Ministerin Hendricks sich mit uns an den Tisch setzt!“ Schließlich hätten rheinische Bauern in den letzten Tagen mit dem Slogan „Dialog: Ja - Diffamierung: Nein!“ dazu aufgefordert, das Gespräch zu suchen. Im Mai sind in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen.

Über Facebook richtet die Bundesumweltministerin ihre Entschuldigung an alle Landwirte. Sie verweist in einer Videonachricht darauf, dass sie selbst aus einer landwirtschaftlichen Region kommt. "Dass sich viele von Ihnen durch die Aufmachung der Kampagne persönlich angegriffen oder sich in ihrer Berufsehre verletzt sehen, tut mir leid - auch ganz persönlich! – denn das war selbstverständlich niemals meine Absicht", sagt sie.

Nicht überall erntet die Bundesministerin mit ihrer Entschuldigung auf nur positive Reaktionen. Peter Hauck (CDU), Agrarminister in Baden-Württemberg, etwa sagte, es sei höchste Zeit gewesen, dass die Bundesumweltministerin eingesehen habe, dass sie "mit dieser Kampagne einen großen Schaden für unsere Bauern angerichtet hätte." Zuvor hatte er - wie einige andere - die Ministerin zum Rücktritt aufgefordert. Nun werde er ihr Handeln genau beobachten, damit die Ankündigung kein leeres Versprechen bleibe.

Umweltministerium will jetzt zu Kernanliegen kommen

Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, mit der Aktion der neuen Bauernregeln sei es gelungen, die Aufmerksamkeit eines großen Teils der Öffentlichkeit auf das Thema zu richten. Ihm zu Folge könne das Umweltministerium jetzt zu seinem Kernanliegen kommen - nämlich einen breiten Dialog darüber zu führen, wie Landwirtschaft und Naturschutz zueinander kommen könnten. Um diesen Dialog zu fördern, sollen unter bmub.bund.de/dialog-landwirtschaft Informationen bereitgestellt werden. Außerdem sollen Debatten in sozialen Medien und auf Veranstaltungen geführt werden. Was es jedoch definitiv nicht mehr geben soll: Weitere Plakate mit Bauernregeln.

Das "erzwungene Ende der viel beachteten Informationskampagne 'Neue Bauernregeln'" des Bundesumweltministeriums bedauert der Naturschutzbund Deutschland NABU. Laut NABU zeigen diese Vorgänge "die übergroße Macht der Agrarindustrie in Deutschland". Verkörpert werde diese durch den Deutschen Bauernverband: "Dieser hatte wohl schon seit Längerem auf eine Gelegenheit gewartet, die unliebsame Ministerin zu beschädigen oder gar zum Rücktritt zu zwingen." Nun sei eine aggressive Kampagne gestartet worden, bei der Fakten als „Pseudo-Wahrheiten“ dargestellt und der Ministerin eine Diffamierung aller Bauern vorgeworfen worden sei. (da)
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