Pflanzenschutzforschung

Hersteller meiden Europa


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Asien hat Europa 2012 als wichtigsten Markt für Agrarchemie abgelöst, zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft Phillips McDougall, die in dieser Woche in Brüssel vorgestellt wurde. Noch ausgeprägter als der Marktrückgang ist der Rückzug der Pflanzenschutzunternehmen aus Forschung und Entwicklung.

Weniger als 8 Prozent der globalen Forschungsausgaben sind heute für den europäischen Markt bestimmt, hat die Beratungsgesellschaft analysiert. Dieser Anteil hatte in den 1980er Jahren noch 33 Prozent betragen. Als einen wesentlichen Grund für die nachlassende Attraktivität Europas sehen die Autoren der Studie die im internationalen Vergleich besonders strenge Regulierung.

Kaum noch neue Wirkstoffe

Für europäische Landwirte hat die nachlassende Aktivität der Hersteller handfeste Nachteile. Während ihnen in den 1980er und 1990er Jahren noch jährlich etwa vier neue Wirkstoffe zur Verfügung standen, kommt seit dem Jahr 2000 im Schnitt kaum mehr als einziger Wirkstoff neu auf den Markt.

Alarmiert äußerte sich bei der Präsentation der Zahlen Friedhelm Schmider, Generalsekretär des EU-Verbandes der Pflanzenschutzmittelhersteller (ECPA). Er wirbt aber auch um Verständnis für die Unternehmen, die das streng reglementierte Umfeld in der EU zunehmend scheuen. Angesichts des hohen Risikos, dass neue Wirkstoffe hier nicht zugelassen werden, orientieren sie sich zunehmend außerhalb der EU, beobachtet Schmider.

Nachteile im Wettbewerb

Die gleichen Sorgen beschreibt der Industrieverband Agrar (IVA) und warnt vor Wettbewerbsnachteilen für die Landwirte. „Die Zulassungsregeln für Pflanzenschutzmittel in Europa sind zu einer Innovationsbremse geworden", interpretiert Volker Koch-Achelpöhler den Rückgang der industriellen Pflanzenschutzforschung in Europa. Der IVA-Hauptgeschäftsführer fordert die künftige Bundesregierung auf, sich zu einer "produktiven und nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion in Europa" zu bekennen und dies auch in Brüssel durchzusetzen. (db)
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