Bundesratsinitiative

Hessen will Ende der Anbindehaltung

„Die ganzjährige Anbindehaltung entspricht nicht den heutigen Standards, die an das Tierwohl in der Landwirtschaft gelegt werden“, betont Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz. Für eine tiergerechte Haltung von Rindern ist es erforderlich, den Tieren genügend Bewegungsraum zu bieten. Eine ständige Anbindung verhindert das Abliegen und Aufstehen der Tiere. Es schränkt zudem andere wichtige Bedürfnisse wie die eigene Körperpflege oder den Kontakt zu Artgenossen erheblich ein. „Haltungssysteme, in denen Tiere ständig angebunden stehen und leben müssen, sind besonders belastend und einschränkend für die betroffenen Tiere. Das wollen wir ändern“, so Ministerin Hinz weiter.

Zwölfjährige Übergangsfrist geplant

Bereits 1996 lief deshalb die ständige Anbindehaltung für Pferde aus – beruhend auf einer Initiative aus Hessen. Auch für Rinder ist eine solche Haltungsform ohne jeden Weidegang oder Auslauf nicht tiergerecht. In Hessen stehen nach Auswertungen des Statistischen Landesamtes noch rund 9.000 Tiere in ständiger Anbindung. Die Landesregierung hat daher einen Antrag in den Bundesrat eingebracht, der am Freitag auf der Tagesordnung der Länderkammer steht. Darin wird der Bund aufgefordert, diese Haltungsform nach einer zwölfjährigen Übergangsfrist zu beenden. „Wir erkennen auch die wirtschaftliche Situation und Herausforderungen der Rinder- und Milchvieh haltenden Betriebe an. Durch die Übergangsfrist ermöglichen wir insbesondere kleinen, familiengeführten Betrieben die nötigen Änderungen und Entwicklungen, um weiterhin von und mit der Tierhaltung leben zu können“, bekräftigt Ministerin Hinz.

Einstimmige Empfehlung des Runden Tischs Tierwohl

Für die hessische Bundesratsinitiative verweist die Ministerin auf eine breite Unterstützung von Fachleuten. „Der von uns eingerichtete Runde Tisch zu Tierwohl und nachhaltiger Landwirtschaft hat sich mit diesem Thema intensiv befasst und unterstützt die hessische Bundesratsinitiative ausdrücklich und einstimmig“, so Hinz. Dem Gremium gehören neben verschiedenen landwirtschaftlichen Verbänden, wie dem Hessischen Bauernverband und dem Verband der ökologisch arbeitenden Landwirte, auch tierärztliche Verbände und Tierschutzorganisationen an.

Bayrischer Bauernverband gegen Verbot

Der Bayerische Bauernverband sieht den Vorstoß Hessens kritisch. Viele Betriebe in Süddeutschland hätten keine andere Möglichkeit zur Rinderhaltung, heißt es in München. Bei den heutigen Verkehrsverhältnissen sei es nicht mehr überall möglich die Tiere morgens auf die Weide und abends zurück in den Stall zu treiben. Statt die Anbindehaltung zu verbieten, sollte versucht werden, für die Tiere innerhalb des Systems Verbesserungen zu erzielen, erklärte ein Sprecher gegenüber agrarzeitung.de. Durch den Strukturandel werde der Anteil der Tiere in Anbindehaltung ohnehin sinken.

Tierschutzbund fordert komplettes Verbot

Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt dagegen den hessischen Vorstoß. „Der Ausstieg aus der Anbindehaltung ist aus Tierschutzsicht längst überfällig“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Der Tierschutzbund unterstütze den Antrag von Hessen, auch wenn in diesem leider nicht von einem kompletten Verbot der Anbindehaltung die Rede sei, sondern lediglich von einem Verbot der ganzjährigen Anbindung. (SB)
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